IT-Wirtschaft gegen Bundestrojaner

Der Branchenverband Bitkom lehnt vom Staat genutzte Hintertüren in Computern ab. Verbandschef Rohleder: „Das ist so, als müsste man einen Schlüssel seines Hauses bei der Polizei hinterlegen.“

Ein Kind voller Leidenschaft

Neulich standen wir (ein paar Erwachsene) mit unseren Eistüten in der Hand vor einer Eisdiele. Ich trug das Kind auf dem Arm und bot ihm meine Schoko-Pfefferminz-Eistüte an. Kindchen verzog das Gesicht, sehr zur Verwunderung der Anwesenden: „Was ist das denn für ein Kind?“

Als klar wurde, dass ich der Schuldige bin, weil ich abstoßendes Pfefferminz-Eis gekauft hatte, boten alle anderen dem Kind ihre Eistüten an. Der Kleine guckte skeptisch – und nahm eines dieser Angebote erst an, als ich mir etwas Eis auf den kleinen Finger strich. Er kam auf den Geschmack und verlangte: „Mehr!“.

Auch an meiner Eistüte fand er plötzlich Gefallen. Er leckte daran, aber ich wollte sie ihm nicht vollständig überlassen. Stattdessen nahm ich mir selber etwas von dem Eis. Diese unglaubliche Unverfrorenheit, an meinem Eis zu lecken, erboste das Kind so sehr, dass es sich in einen Wutausbruch hinein steigerte: Er brüllte und greinte und zeterte. Er zeigte mit dem Finger auf mich und suchte Blickkontakt zu den Umstehenden – als fordere er Solidarität, als wolle er sagen: „Ihr habt es auch gesehen. Er hat das Eis genommen. In seinem Mund ist es verschwunden.“

Dabei steckte er mir tatsächlich seine Finger in den Mund, als könne er sich das Eis auf diese Weise zurückholen. Es dauerte ein paar Minuten bis die Wut und das Schluchzen wieder abschwollen. Ich war ziemlich beeindruckt und benommen vom bühnenreifen Auftritt meines Sohnes. Anderthalb Jahre und schon versucht er, Koalitionen gegen den eigenen Vater zu schmieden. Wohin soll das noch führen?

So schön ist die Welt…

Ein 82-jähriger Mann antwortet mir auf die Frage, ob er es schön fände, jetzt zu leben: „Die Welt ist so schön, da reicht ein Menschenleben nicht aus.“

Eine etwas indirekte Antwort auf meine Frage, aber das große philosophische Rad gedreht – und der Mann, der das sagt, hängt am ambulanten Beatmungsschlauch , kann gegenwärtig kaum das Haus verlassen und schleppt mindestens sechs, teils schwer wiegende Erkrankungen mit sich herum schleppt.

Soviel positive Sicht auf die Welt trotz aller Gebrechen… Beeindruckend.

Karl Lauterbach verhöhnt?

Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss vergangene Woche beschlossen hat, dass zukünftig Vorsorgeleistungen nicht verpflichtend von den Patienten in Anspruch genommen werden müssen, geht Karl Lauterbach, Gesundheitsökonom und SPD-Abgeordneter im Bundestag in die mediale Offensive. Dem Kölner Stadtanzeiger gibt er zu Protokoll: „Das ist eine Verhöhnung des Gesetzgebers.

Lauterbach hält es für eine Zumutung, dass der GBA sich über die Wünsche des Gesetzgebers hinweg setzt. Der hatte nämlich in § 62 SGB V verfügt, chronisch Kranken zukünftig nur dann die ermäßigte Zuzahlung (1% der Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt) zu gewähren, wenn diese regelmäßig Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen. Weil der GBA nun allenfalls eine Beratung für verpflichtend erklärt, kippt das Gremium sehr zu meinem Vergnügen die beabsichtigte Bestrafung (2% Zuzahlung für chronisch Kranke statt 1%).

Beim Zahnersatz gilt diese (Vorsorge)-Regelung ja schon lange. So argumentieren auch Lauterbach & Co.: Regelmäßige Kontrollen dokumentieren den Zahnstatus und führen zu rechtzeitiger Behandlung. Im körpermedizinischen Bereich stellt sich das allerdings schnell als unangemessener staatlicher Körperkontrollzwang heraus. Zum einen sind die Tests wenig aussagekräftig und wenig verlässlich. Zum anderen sind viele Grenzwerte äußerst umstritten wie erst die jüngste Debatte um den Body-Mass-Index und die fetten Deutschen zeigt.

Fazit: Herr Lauterbach mag sich verhöhnt fühlen. Doch dem exzessiven Körperkontrollbegehren des Gesetzgebers einen Riegel vorzuschieben, ist nur zu begrüßen. So wie ich nämlich keinen Präventionsstaat im Bereich der Sicherheitspolitik möchte, kann ich auch in der Gesundheitspolitik gern auf diese Art staatlicher Organisation verzichten. Und warte nun gespannt darauf, ob Ulla Schmidt der GBA-Richtlinie zustimmen wird.

Eierpfannkuchen

Ein Eierpfannkuchenteig, der (wahrscheinlich) fast jedes Kind und auch viele Erwachsene erfreut – und der in nicht mehr als 5 Minuten verarbeitungsbereit ist:

200 gr Mehl
3 Eier
250 ml Milch
einen Schuss Mineralwasser
eine Prise Salz

Alle Zutaten mit dem Mixer verrühren. Dann die Pfanne auf den Herd – und los geht’s. Wer eher in die süße Richtung gehen will, bestreicht den Teig nach dem ersten Anbacken in der Pfanne mit Honig. Wer in Richtung herzhaft unterwegs ist, beginnt z.B. mit einer Zwiebel, dünstet diese glasig und gibt dann erst den Teig in die Pfanne. Der eigenen Erfindungsgabe, wie der Pfannkuchen zu belegen ist, sind keine Grenzen gesetzt.

Wohl bekomm’s.

GBA gegen Pflicht zur Früherkennung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), ein Gremium, in dem Ärzte, Krankenkassen und Patienten über Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entscheiden, beschloss in seiner Auslegung von § 25 SGB V, der im letzten Gesundheitsreformgesetz frisch verankert wurde:

„Auch künftig soll es keine verpflichtende Teilnahme an den von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) angebotenen Gesundheits- und Krebsfrüherkennungsuntersuchungen geben. Stattdessen sollen sich gesetzlich Versicherte von einem Arzt mit Erreichen des Anspruchsalters einmalig über Vor- und Nachteile der jeweiligen Früherkennung beraten lassen.“ (Zitat Pressemitteilung GBA)

Eine sinnvolle Begrenzung der Absichten des Gesetzgebers, jene Versicherten durch erhöhte Zuzahlungen zu bestrafen, die chronisch erkranken und die nicht regelmäßig bspw. zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung gegangen sind.

Angesichts erheblicher wissenschaftlicher Zweifel an der Prognosesicherheit von Früherkennungstests und möglichen Risiken durch falsche Befunde (Brustkrebs bei sehr jungen Frauen) bzw. invasive Verfahren (Darmspiegelungen) setzt der GBA ein Zeichen gegen den Präventions- und Vorsorgewahn führender Gesundheitspolitiker.

Britische Regierung mit Kiff-Vergangenheit

Endlich mal eine Politiker-Enthüllung, die tief blicken lässt und die Betroffenen dem Volk näher bringt: Insgesamt neun Mitglieder der frisch installierten britischen Regierung haben eingeräumt, in ihrer Jugend bzw. während des Studiums Haschisch probiert zu haben. Allerdings blieb es keinem angenehm in Erinnerung. Und selbstverständlich finden es alle falsch und betrachten es als Jugendsünde.

Wahrscheinlich haben sie, wie weiland Bill Clinton, zwar geraucht, aber nicht inhaliert…

Immerhin: Das kollektive Outing erzählt uns von einer neuen Generation Politiker (zumindest in Großbritannien). Einer Generation, die wie selbstverständlich Vieles gekostet hat, was die freizügigen westlichen Gesellschaften zu bieten haben, aber auch Vieles wieder lassen konnten – ohne zwischendurch Schaden zu nehmen (Wenn Politiker-Sein nicht als Schaden in die Bewertung eingeht…).

Wenn das in eine politische Gestaltung mündet, die eigene Erfahrungen zulässt, nicht ausgrenzt oder abspaltet, könnte diese Generation Politiker den Abstand zu ihrem Wahlvolk wieder deutlich schrumpfen lassen.

Ach, Alice…

so weit ist es nun mit Ihnen gekommen. Sie verhelfen der BLÖD-Zeitung und deren an und für sich schon unsäglichen Kampagne („Jede Wahrheit braucht eine Mutige/einen Mutigen, die/der sie ausspricht.“) zu einem neuen, traurigen Höhepunkt.

So korrumpierbar und unanständig sind also auch Sie, Frau Schwarzer, dass Sie nicht davor zurückschrecken, von einem Verlag Kohle (Für einen guten Zweck, versteht sich!) und öffentliche Aufmerksamkeit (Für sich, Ihr neues Buch, Ihren Verlag, Ihr Geschäftsmodell) einzusacken, der vor Ihren Augen direkt und indirekt genau damit Geld verdient, wogegen Sie so heftig zu Felde ziehen: Prostitution, präziser, mit Werbeplatz für Prostitution, mit frauenverachtender Barbusigkeit, mit einem frauenerniedrigendem Sprachspiel und was sich sonst noch so an unanständigen, unmoralischen, unschönen und unrichtigen Darstellungen der Welt zusammentragen lässt.

Zu denken jedoch gibt mir Ihre Begründung: Neben Brandt, Einstein, Freud und Gandhi sollte auch mal eine Frau auftauchen. Ganz und gar selbstlos stellen Sie sich für die Frauen an die Seite dieser toten Männer. Doch die toten Männer können sich nicht mehr wehren gegen diese Einvernahme. Sie schon. Sie tun aber das Gegenteil und finden sich auch noch gut dabei. So viel schleimiger, sich selbst beweihräuchernder Narzißmus ward bisher noch selten öffentlich zur Schau gestellt. Für die mutige Verkündung dieser Wahrheit sei Ihnen sehr gedankt.

PS.: Der BLÖD-Leserreporter möge Sie ewig verfolgen…

GKV-Aussteiger ohne Kostenerstattung

Bereits am 27.06.07 hat das Bundessozialgericht (BSG) entschieden, niedersächsischen Zahnärzten, die aus dem GKV-System ausgestiegen sind, die Erstattung ihrer Kosten zu verweigern. Zahnärzte, die in einem „kollektiv abgestimmten Verfahren“ ihre Zulassung zurückgegeben haben, dürften nicht mehr uneingeschränkt GKV-Versicherte behandeln.

Die bayrischen Hausärzte, die neulich beschlossen haben, das GKV-System zu verlassen, sollten sich das Urteil genau durchlesen: „Nur wenn die Krankenkassen die Versorgung mit unaufschiebbaren (zahn-)ärztlichen Leistungen anderweitig nicht rechtzeitig sicherstellen können (sog „Systemversagen“), müssen sie die Kosten auch für außerhalb des Systems erbrachte Leistungen übernehmen.“ Paragraf 95b Abs 3 SGB V, den auch die bayrischen Hausärzte für sich in Anspruch möchten, wenn sie die GKV verlassen haben, wirkt also erst nach einem umfassenden, beinahe totalen Boykott.

Es wird spannend sein, ob es dem BHAEV gelingt, das System zum Versagen zu bringen. Bei der gegenwärtigen Uneinigkeit der Ärzteschaft (siehe Querelen in der KBV) sind Zweifel an dieser Fähigkeit erlaubt.

Schäuble fühlt sich missverstanden…

Eine Woche nach seinem SPIEGEL-Interview und kurz nachdem selbst CDU-Köhler sich vom Innenminister distanziert hat, verkündet Schäuble via ZDF und ARD, er sei rundweg missverstanden worden – und das auch noch absichtsvoll und böswillig…

Taucht die Frage auf, warum er, der Jurist und präzise Denker, sich so äußert, dass er missverstanden werden kann. Taucht weiter die Frage auf, warum der BMI-Chef sich eine ganze Woche Zeit nimmt, um auf die frei flottierenden Missverständnisse zu reagieren. Taucht die Frage auf, warum er nun schon seit Wochen, „in einer Art Stakkato“ (Köhler), Idee an Idee reiht, wie er seiner Verantwortung, für die Sicherheit des Landes zu sorgen, noch besser nachkommen kann. Eine Art „finaler Rettungswahn“ (Neue Presse, Hannover, zitiert via FTD)?

Weckt alles die Vermutung, der Mann habe eine Agenda, die er kalt kalkulierend durchzieht. Dabei agiert er offen und verwendet einen alten kommunikativen Trick: Er wirft seinen Kritikern jenes hysterische Denken vor, das er selber inszeniert. Damit bringt er sich zurück in die Offensive. Achtung also, so verheerend das Echo sein mag, der Mann bleibt ein Gefährder.