Auch Superstar Gysi funktioniert mit alten Reflexen

Leider funktioniert auch Herr Gysi in bewährten Modi: Im Tagesspiegel legt er nahe, Frau Wegner und ihre Aussagen in der ARD-Sendung Panorama könnten vom Verfassungsschutz beeinflusst worden sein, um der Linkspartei zu schaden:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine DKP-Politikerin einfach so dumm ist, kurz vor der Hamburg-Wahl ein solches Fernseh-Interview zu geben, wohl wissend, dass sie uns damit schaden wird. Dass heißt, sie wollte uns schaden. Und das sieht doch sehr komisch und eher nach Verfassungsschutz aus.

Da ist es also wieder hervorgeholt, das alte klassenkämpferische Argument vom Feind, der weder Mittel noch Wege scheut, die gute sozialistische Idee zur Strecke zu bringen, zu diskreditieren, wo es nur geht, zu tricksen, zu täuschen, zu tarnen.

Ich traue jedem Geheimdienst alles mögliche zu, Desinformation, Konspiration und Dekonspiration – und all das immer auch gleichzeitig. Doch mein DDR-Riecher lässt mir Gysis Sätze suspekt erscheinen. Ich sehe darin vielmehr eine lange erprobte, reflexhaft abgerufene, unselige DDR-Tradition, mit dem Finger auf den Klassenfeind zu zeigen bzw. auf dessen Erfüllungsgehilfen. Ein Trick, um entweder von Mißständen abzulenken oder die eigenen Reihen geschlossen zu halten. Gysis Klientel traut nämlich dem Verfassungsschutz genauso wenig. Den feindlichen Dienst angesichts des Wegner-Desasters der Subversion zu verdächtigen, nimmt etwas Druck aus dem innerparteilichen Kessel.

Und wie ist das abgelaufen? Etwa so: Der Staatsschutz hat die Linkspartei beobachtet, die DKP sowieso. Als die Linke ins Niedersachsen-Parlament eingezogen ist, hat der Dienst einfach bei der Panorama-Redaktion angerufen und empfohlen, vor der Hamburg-Wahl Frau Wegner zu ihren politischen Ideen zu befragen. Oder will Gysi andeuten, die arme Frau Wegner wurde vom Staatsschutz bezahlt, sich öffentlich so zu äußern?

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