Einen Tag später erhält er die Mitteilung, dass sein YouTube-Video von SPIEGEL-TV gezeigt wird – allerdings ohne Quellenangabe, ohne Nachfrage beim Autor und erst recht ohne Honorarangebot. Doch: In einem werbefinanzierten Umfeld wie SPIEGEL-TV ist das Honorar eine Selbstverständlichkeit.
Offenbar bedienten sich die SPIEGEL-TV-Leute einer sehr freien und unkonventionellen Auslegung des Open-Source-Gedankens.
Diese fünf Worte der Sprecherin von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, um zu rechtfertigen, warum ihre Chefin im Urlaub die gepanzerte Dienstlimo benutzt, belegen eindrucksvoll, wie abgehoben, wie standesdünkelhaft, wie gnadenlos snobistisch eine Aufsteigerin wie Gesundheits-Ulla und die Entourage um sie herum in all den Jahren im Politik-Betrieb geworden sind. Sie fühlt und sieht sich als etwas Besseres, etwas Besonderes – und besteht darauf, ein Anrecht darauf zu haben, auch so behandelt zu werden.
So geht der bittere Selbstzerstörungs- und Selbstauflösungsprozess der SPD unaufhaltsam weiter. Für mich gibt es daraus nur eine Folgerung: Die politische Kultur des Landes braucht Veränderung, Transparenz und den Abbau von über Jahrzehnte gewachsenen Privilegien. Die Menschen in diesem Land sind zu recht politikverdrossen, wenn ihnen immer wieder vorgeführt wird, dass die Ohnmächtigen zuzahlen (draufzahlen), während die Mächtigen sich selbst bedienen.
Das Bild zeigt, welche Konsequenzen das “sichere” Betreiben von AKW hat, wenn eines wie Krümmel sich plötzlich mal abschalten muss. Wasserpumpen gehen aus und wieder an, Rohre brechen, über- und unterfluten Straßen (hier im Eidelstedter Weg in Eimsbüttel). Insgesamt meldete Hamburg Wasser 16 Rohrbrüche, Hunderttausende hatten kein Trinkwasser.
Das Abendblatt meldet immerhin, Hamburg Wasser befände sich bereits in Schadenersatzverhandlungen mit AKW-Betreiber Vattenfall.
Die Süddeutsche Zeitung hat ein nachdenkenswertes Interview mit dem Programmierer und Literaturwissenschaftler David Golumbia veröffentlicht. Er spricht zur Rolle von Twitter im Iran und anderswo, über das globale Machtgefüge angesichts der digitalen Technik und über die Ideologie, alles in der Welt in computerisierten Einheiten zu denken, Computationalismus, wie er das nennt.
Golumbia kritisiert die simple, technophile Sicht der Dinge, dass die neuen Medien an sich die Welt verändern. Er behauptet, vielmehr zementiere die digitale Technik althergebrachte Strukturen. Zwar würden die Ohnmächtigen etwas weniger ohnmächtig, die Mächtigen gewännen aber ebenso an Macht. Es sei also keine Annäherung zwischen den beiden Kräftepolen zu beobachten.