Wie kommt der Neid in die Liebesbeziehung?

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Neben den hauptsächlich negativen Eigenschaften des Neids steht auch das romantische Liebesideal dagegen, über den Neid ins Gespräch zu kommen. Als das romantische Beziehungskonzept entstand, waren konkurrierende Interessen zwischen den Liebespartnern undenkbar. Doch auch seitdem wir untereinander verschiedene Interessen ausgleichen müssen und auf denselben Gebieten miteinander wetteifern, hat sich an der harmonischen Idealvorstellung wenig verändert: Liebende ergänzen und unterstützen sich, aber sie konkurrieren nicht miteinander. Die Geschichte von Mandy und Mike, zwei Architekturstudenten, illustriert, wie dieses Ideal auch heutige Beziehungen beeinflusst.

Mandy und Mike

Mandy und Mike beschließen, zum Studium gemeinsam in eine andere Stadt zu ziehen. Sie haben sich während der Abiturvorbereitungen ineinander verliebt. Sie schätzen es, miteinander zu lernen, voneinander zu profitieren und bei Prüfungen füreinander die Daumen zu drücken. Sie bewerben sich für den Studiengang Architektur und brechen auf in die gemeinsame studentische Zukunft – euphorisch, beflügelt von der Liebe und dem Vertrauen zueinander.

Zum Konzept ihrer Liebe zählt auch, keinerlei Geheimnisse voreinander zu haben – und alles miteinander zu teilen, auch Kenntnisse und Fähigkeiten. Mandy hat früher mit Mike Vokabeln gebüffelt. Mike hat gemeinsam mit ihr mathematische Formeln auseinander genommen. Das Konzept allerdings erfährt erste Brüche, als sie mit der Wirklichkeit des Architekturstudiums konfrontiert werden: Es stellt sich schnell heraus, dass es Mike deutlich leichter fällt, die allgemeinen Anforderungen zu erfüllen. Er tut sich leichter mit Computern und den 3D-Programmen, die für die Gestaltung von Entwürfen unabdingbar sind.

Mandy erwartet nun gemäß ihrer Vorstellung von Partnerschaft, dass Mike ihr die Hilfe gibt, die sie braucht, im Studium genauso gut zu sein wie er. Mike versucht tatsächlich, Mandy nach Kräften in Computer- und Softwarefragen zu unterstützen. Allerdings stellt er fest, dass sich damit seine Gesamtarbeitszeit deutlich verlängert – und er quasi stellvertretend einen Teil von Mandys Studium absolviert. Sosehr er sie liebt, diese Situation führt zwangsläufig zu einem heftigen Konflikt zwischen beiden.

Mandy wirft ihrem Freund vor, sie im Stich zu lassen und sie abhängen zu wollen, um ohne sie in der neuen Stadt Fuß zu fassen. Er wiederum fragt nach, ob es denn tatsächlich ihr Herzenswunsch sei, Architektur zu studieren – und ob nicht vielleicht ein anderes Studium ihr besser täte. Das bringt Mandy erst recht auf die Palme und spornt sie an, alle Anstrengungen zu unternehmen, um ohne Mikes Hilfe durch das Studium zu kommen. Zwar müssen beide auf diese Weise schmerzvoll von den eigenen Beziehungsvorstellungen Abschied nehmen, aber die neue Unabhängigkeit führt auch zu weniger Frust in der gemeinsam verbrachten Zeit.

Allerdings eskaliert der Konflikt zwischen beiden immer wieder dann, wenn eine Projektarbeit abzugeben ist. Während Mike entspannt am Rechner sitzt und seine Entwürfe entwickelt, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, reagiert Mandy noch immer panisch auf die Herausforderung, schläft schlecht und ist dauernd unzufrieden mit sich und ihrer Arbeit. Da das Paar mittlerweile nicht mehr gemeinsam an den Rechnern sitzt, macht sie sich ab und an auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz, um zu sehen, wie weit er gekommen ist. Er macht sich umgekehrt nie auf den Weg zu ihr.

Kurz vor dem letzten Abgabetermin wirft sie dann noch einmal einen schiefen Blick auf seinen Entwurf, rennt stumm aus dem Zimmer und beginnt erst draußen zu schluchzen: Voller Neid muss sie anerkennen, dass sein Entwurf der bessere ist – und dass sie bei all dem Aufwand, den sie betreibt, nicht die Qualität seiner Arbeiten erreichen wird. Doch sie lässt sich dadurch nicht etwa entmutigen, sondern macht sich für eine weitere Nachtschicht an die Arbeit, den eigenen Entwurf zu verbessern – nicht um so gut zu sein wie Mike, sondern um vor sich selbst mit gutem Gewissen sagen zu können, sie habe nichts unversucht gelassen.

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Teil 23: So haben sich Liebesbeziehungen gewandelt
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Neid in Partnerschaften: Literatur

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