Wandern in Schottland

Zusammenfassung von acht Tagen Wanderurlaub mit zwei Freunden in den Western Highlands von Schottland:

04.06.
Überfahrt von Islay nach Kintyre. Anschlussbus nach Glasgow über Invarary und Loch Lomond. Abflug von Glasgow nach London verzögert sich um 1,5 Stunden. Rückkehr nach Deutschland gegen 23:30.

03.06.
Überfahrt (2 h 20) von Kennacraig (Kintyre) nach Port Ellen (Islay). Askernish-B&B in Hafennähe bezogen. Busfahrt nach Bowmore. Strömender Regen. Kaffee im Lochside Hotel. Destillenbesuch + Test “Bowmore Single Malt”. Taxifahrt nach Ardbeg. Destillenbesuch + Test “Ardbeg Single Malt”. Spaziergang zurück nach Port Ellen (5 km). Abends: Indisches Essen.

02.06.
Mit dem Taxi nach Claonaig. Fähre nach Lochranza, Arran. Destillenbesuch + Test “Arran Single Malt Whisky”. Wanderung an der Nordspitze der Insel von Lochranza über Laggan zurück nach Lochranza. 12 km. Mit Fähre und Taxi zurück nach Tarbert. Abends: Italienisches Essen.

01.06.
Busfahrten von Tyndrum nach Oban, Lochgilphead, schließlich Tarbert auf der Halbinsel Kintyre. Keine Übernachtungschancen auf Islay wegen des Whisky-Festivals. Stattdessen “The Frigate Hotel”, Tarbert. Abends: Britisches Essen.

31.05.
Taxifahrt von Tyndrum nach Bridge of Orchy. Von dort Wanderung, mit nur leichtem Gepräck: Über Victoria Bridge durch das Rannoch Hochmoor nach King’s House, 18,5 km. Rückkehr nach Tyndrum im Bus.

30.05.
Wanderung von Crianlarich nach Tyndrum. 10 km. Unterkunft im Hostel “By the Way”.

29.05.
Wanderung nach Inversnaid. 10 km. Übersetzen mit der Fähre auf die andere See-Seite. Busfahrt nach Crianlarich. Regen. Unterkunft im Youth Hostel.

28.05.
Einkaufen in Balloch. Busfahrt nach Balmaha. Wanderung entlang Loch Lomond nach Rowardennan. 10 km. Sonnig. Übernachtung im Youth Hostel direkt am See.

27.05.
Abflug Hannover – Landung Glasgow. Busfahrt Richtung Loch Lomond. Erste Nacht im Loch Lomond Youth Hostel. Mediokre Fish-n-Chips in Balloch.

Nach der Wahl in Bremen

Beide Großkoalitionäre haben bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gestern Stimmen verloren, in absoluten Zahlen noch mehr als prozentual, denn die Wahlbeteiligung ist erneut gesunken. Dennoch haben sie in ihren öffentlichen Verlautbarungen nichts besseres zu tun, als mit dem Finger auf andere zu zeigen. Eine Seite macht die andere für die eigenen Stimmverluste verantwortlich. Die Wähler, die sich abwenden von den (ehemaligen) Großparteien werden als Protestwähler diffamiert (“Die haben es eben nicht geblickt.”) Die eigene schlechte Arbeit in den vergangenen 12 Jahren wird erneut als Chance verkauft. Ekelhaft.

Für wie blöd halten die eigentlich ihre Wähler und ihre Nicht-Wähler? Solche Reaktionen laden doch dazu ein, sich angewidert abzuwenden. Schon aus Selbstachtung. Angewidert von soviel Heuchelei, Ignoranz und intellektueller Tieffliegerei. Wann taucht jemand aus der politischen Klasse auf, der sich selbstkritisch zu den eigenen Leistungen äußert? Der nachdenkt, bevor er redet? Nicht nur als Sprechblasenautomat fungiert? Der die Leute, die wählen, nicht für komplette Idioten hält? Oder ist das zuviel verlangt in einer repräsentativen Demokratie?

Durchs Leben gewandelt…

Noch vor wenigen Jahren hätte ich einen Schrebergarten als Inbegriff eines spießigen Idylls verdammt und abgelehnt. Doch wie vieles andere auch, wandeln sich die Ansichten mit zunehmenden Alter und unter veränderten Lebensumständen: Früher ließ Australien nur Strafgefangene ins Land, ja es war das ultimative Aufnahmekriterium – heute verweigern die Australier dem vorbestraften Snopp Dogg die Einreise.

Ich habe den Schrebergarten meiner Jugend (unterhalb des Dresdner Fernsehturms) verabscheut. Heute bin ich froh, mit Freunden selber einen zu betreiben und dort meine Sonntage mit Frau, Kind und Gästen zu verbringen – abseits von überfüllten Parkwiesen und den logistischen Herausforderungen, die damit verbunden sind, ein Picknick im Grünen zu veranstalten.

Hilfe im falschen Moment

Heute habe ich mit hilfreicher Hand beinahe Schaden angerichtet: Ich gehe auf die Schwingtür einer U-Bahnstation zu, aus der Station heraus. Durch das Fenster sehe ich, wie sich von der anderen Seite eine Passantin mit Krücke nähert, die durch die benachbarte Schwingtür in die U-Bahnstation hinein will. Beherzt ergreife ich die Tür – und bringe die Frau damit massiv ins Straucheln, weil sie sich just im selben Moment mit dem Oberkörper gegen die Tür lehnt. Glücklicherweise fängt sie sich ab und humpelt weiter, in sich hinein grinsend. Ich lächle etwas gezwungen zurück. Die zweite Krücke nämlich war mir beim Blick auf die andere Seite der Schwingtüren entgangen.

Merke: Beherztes Eingreifen kann manchmal erst recht zum Zusammenbruch führen.

Achtung der internationalen Gemeinschaft

Iran hat gerade verkündet, nun auch zu den Atommächten zu gehören – am nationalen Nuklearfeiertag (Wunderliche Feiertage gibts…). Wenn ich mich recht entsinne, spuckt die iranische Propagandamaschine regelmäßig solche Meldungen aus – und dann taucht immer jemand auf, der sagt, na ja, der Iran sei dazu noch xx Jahre nicht in der Lage.

Die Reaktionen sind gewohnt empört, harsch, verurteilend. Klar, auch die US-amerikanische Regierung kommentiert das Geschehen und sieht darin “ein neues Zeichen der Missachtung der internationalen Gemeinschaft“.

Nanu. Ist das nicht gang und gebe, international? Kein Land schert sich um die internationale Gemeinschaft, wenn nationale Interessen berührt sind. Das machen die Amis (siehe Irakkrieg, Guantanamo) nicht, die Chinesen (siehe Darfur) nicht und die Russen (siehe Tschetschenien) nicht. Warum verlangen nun ausgerechnet die Amis von den Iranern, was ihnen selbst schnurzpiepe ist, wenn sie es für sinnvoll halten? Bizarre Welt.

Kurt “ahnungslos” Beck

SPD-Chef Becks Vorschlag, mit moderaten Taliban das Gespräch zu suchen, konterte der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta ungewohnt undiplomatisch mit beißender Ironie:

“Ich habe mich sehr gewundert darüber, weil wir in Afghanistan seit geraumer Zeit moderate Taliban suchen und nicht finden. Wenn westliche Politiker sowas haben, können sie uns die Adresse und Kontaktpersonen geben, damit wir uns mit ihnen auseinandersetzen können.

Es so darzustellen, dass wir in Afghanistan moderate und nicht-moderate Taliban oder Al Kaida oder sowas haben, das ist das gleiche wie wenn ich von Afghanistan oder von Kabul aus sagen würde, man sollte in Rheinland-Pfalz zum Beispiel mit der NPD eine Koalition schließen, oder mit moderater NPD.

So eine Klassifizierung ist eine Erfindung von denjenigen, die von Afghanistan keine Ahnung haben.”

Der Mann kennt Deutschland auf jeden Fall besser als Herr Beck Afghanistan.

Quelle: SWR, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Amerikanischer Blogger aus Beugehaft entlassen

Josh Wolf, ein Videoblogger und Journalist aus San Francisco, ist nach sieben Monaten (226 Tage) aus der Beugehaft entlassen worden. Er sollte genötigt werden, ein Video an die Behörden zu übergeben, das er auf einer Anti-Globalisierungsdemo aufgenommen hatte.

In seinem ersten Statement nach seiner Entlassung weist er allerdings darauf hin, dass es nicht allein darum ging, dem Staat das Video auszuhändigen. Vielmehr sollte er gezwungen werden, vor Gericht als Zeuge auszusagen. Dagegen wehrte er sich. Schließlich handelte er den Kompromiss aus, das Video nach seiner Entlassung ungeschnitten online zu stellen und zwei Fragen des Gerichts zu beantworten. Beide beantwortete er (gekürzt, d.A.) mit “Nein.”

Wundenheilung

Wenn es nur sonst so “einfach” ginge: Das traumatisiernde Ereignis, den letzten Kampf, die verbliebene offene Wunde nach zehn Jahren mit bester Vorbereitung und für viel Geld erneut inszenieren – und es anders enden lassen als bei ersten Mal. Wie in einer Zeitschleife, in der der Held noch einmal von vorn beginnen kann, um Geschehenes ungeschehen zu machen. Und schon ist das Trauma bezwungen, der Bann gebrochen, der innere Frieden wieder hergestellt. Glückwunsch, Henry Maske.

Leider ist eine solche Chance nur wenigen Traumatisierten vergönnt. Die meisten haben einen weiten, psychotherapeutischen Weg zu gehen. Einigen lindert EMDR das Trauma.

Maske vs. Hill

Kommentar von Harald Schmidt heute in der Sendung zum Boxkampf am kommenden Samstag: “Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum da so ein wahnsinniger Hype drum gemacht wird. Ich meine, was ist besonderes dran? Ein arbeitsloser Ossi geht auf einen Schwarzen los.”

Bloggen für Carl Auer

Gerne habe ich die Einladung des Carl-Auer-Verlages angenommen, ab dem heutigen Montag die Systemische Kehrwoche zu übernehmen.

Bloggen ist ja eine gute Möglichkeit, recht schnell eine Öffentlichkeit zu erreichen, wie sie a) durch herkömmlichen Medien mit so wenig Aufwand kaum erreichbar wäre und die b) durch Vernetzung rasch an Größe gewinnen (kann). Die Blogosphäre (die Gesamtheit aller Weblogs) umfasst laut des Zähl-, Such- und Vernetzungsangebots Technorati inzwischen etwa 70 Millionen Online-Journale. Täglich kommen rund 100000 hinzu. Den Geheimdienst, der darüber den Überblick behalten wird, möchte ich gerne kennen lernen – auch wenn Bloggen bspw. in Ägypten ziemlich gefährlich sein kann. Hier in unseren Breiten, im täglichen medialen Hupkonzert um die Aufmerksamkeit unserer Hirne, hat das Bloggen ja deutlich weniger Einfluss. Aber dieser reicht immerhin bis nach China: Ein chinesisches Gericht versucht nämlich einen Blogger aus Berlin zu verklagen.

Doch soviel Staub werde ich in dieser Kehrwoche wohl nicht aufwirbeln…