Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen
Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen
Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal
Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen
Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe

Um die psychologischen Grundlagen des Neids zu bestimmen, ist es auch notwendig, über Eifersucht zu sprechen. Neid und Eifersucht sind Gefühls-Geschwister, die sich in ihrer Leidenschaftlichkeit nichts nehmen. Zudem treten sie häufig Arm in Arm innerhalb derselben Konfliktlage auf.

Eine klassische Umbruchsituation innerhalb einer Liebesbeziehung ist die Geburt eines Kindes. Die Mutter stillt, ist dem Kind näher, verbringt mehr Zeit mit ihm, das Kind lässt sich eher von ihr beruhigen. Währenddessen entwickelt der Vater eventuell neidische Gefühle auf das Baby. Gleichzeitig spürt der Vater womöglich auch Eifersucht: Das Kind entzieht ihm die Frau, nimmt deren Aufmerksamkeit fast komplett in Anspruch und besetzt zudem mit der Brust eine Körperregion, die für ihn von erotischer Symbolkraft ist.

Die emotionalen Aufwallungen ereignen sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit. Es gibt kaum Väter, die zwischendurch nicht einmal eifersüchtig auf ihre Kinder wären und neidisch auf die Mütter. Die Gefühle sind normal, denn aus der Zweierkonstellation entsteht plötzlich eine Dreierbeziehung, in der sich alle neu positionieren müssen. Basiert die Beziehung zwischen Vater und Mutter auf einem stabilen Fundament, so sind sowohl die neidischen als auch die eifersüchtigen Anwandlungen nur von vorübergehender Natur.

Das Beispiel illustriert, wie sich Eifersucht ganz pragmatisch von Neid abgrenzen lässt: Zum Neid gehören zwei. Zur Eifersucht gehören drei. Der auf die Mutter neidische Vater sehnt sich danach, sein Kind genauso versorgen zu können wie die Mutter, um damit ein ähnliches intensives Verhältnis zu ihm zu bekommen. Der eifersüchtige Mann im Vater ereifert sich über den „Verlust“ der Frau an das Kind. Eifersüchtig sucht er seinen „Besitz“, die exklusive Beziehung zu seiner Geliebten, zu verteidigen. Ohnmächtig muss er allerdings sehen, wie unmöglich das zunächst ist – und wie bedrohlich ihm die Ungewissheit erscheint, ob er seine Frau jemals zurückgewinnen wird. Während Eifersucht also eher Angst davor offenbart, etwas zu verlieren, weist uns der Neid auf die Dinge hin, nach denen wir uns sehnen.

Viele Autoren weisen darauf hin, wie leicht im Alltagsgebrauch die Grenzen zwischen Neid und Eifersucht verschwimmen. Allerdings kann dabei nur Eifersucht für Neid stehen, Neid nicht umgekehrt für Eifersucht. Die Abgrenzung zwischen beiden Phänomenen ist uns also im alltäglichen Gebrauch durchaus bekannt. Der Einsatz des einen Begriffs für den anderen dient deswegen einem bestimmten Ziel.

Die Eifersucht übernimmt häufig die Rolle, stellvertretend für den Neid die heftig aufwallenden Gefühle begründen zu müssen. Außerdem erlaubt das Wort Eifersucht, ein Ventil zu öffnen, das wir im Namen des Neids nicht öffnen dürften. Es ist gesellschaftlich eher erlaubt, dass „jemandem die Pferde durchgehen“, weil er eifersüchtig zu sein vorgibt. Weitaus weniger tolerant reagiert die Öffentlichkeit indes, wenn sich derselbe Mensch auf seinen Neid beruft, um zu begründen, warum er außer Kontrolle geraten ist.

Neid gilt als unschicklich, während der Eifersüchtige durchaus auf Verständnis durch seine Umwelt rechnen darf. Obwohl es sich dabei um eine nicht minder eruptive Leidenschaft handelt, erfährt die Eifersucht weniger gesellschaftliche Ablehnung als der Neid. Insbesondere in so genannten „Eifersuchtsdramen“, über welche die Boulevardpresse gern informiert, dient die Eifersucht häufig als eine Art Tarn-Emotion, um das böse N-Wort nicht in den Mittelpunkt zu rücken.

Wie in der Liebesbeziehung erzeugt die Bedrohung durch Neid und Neider also scheinbar auch im öffentlichen Raum Berührungsängste, so dass der Neid selbst nicht direkt thematisiert wird.

Neid in Partnerschaften – Literaturangaben

Beinflussbare und nicht beeinflussbare Neidanlässe

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen
Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen
Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal
Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen

Auch wenn es nun kaum Güter gibt, die wir nicht begehren könnten, beschränken sich die möglichen Anlässe für Neid in Partnerschaften allein aufgrund der Art der Beziehung zwischen den Partnern. Während Frauen oder Männer untereinander durchaus auf bestimmte körperliche Merkmale neidisch sein können, spielt dieser Neidanlass zumindest in heterosexuellen Beziehungen eher keine Rolle.

Die folgende Tabelle fasst mögliche Neidanlässe in einer Liebesbeziehung zusammen, natürlich ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Die Anlässe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Beeinflussbarkeit. Diese Unterscheidung ist für die weitere Auseinandersetzung mit dem eigenen Neid oder dem des Partners oder der Partnerin von großer Bedeutung. Ob es nämlich überhaupt möglich ist, in den Besitz eines begehrten Gutes zu gelangen, bestimmt ganz wesentlich, ob wir an unserem Neid festhalten wollen oder ob wir auch ganz gut ohne ihn leben können. Beharren wir darauf, etwas zu begehren, das wir sowieso nicht erlangen können, so muss sich früher oder später die Frage stellen, welche Funktion es für die Beziehung hat, den Neid weiter aufrechtzuerhalten.

Eventuell beeinflussbar Nicht beeinflussbar
Bildung Schönheit/Attraktivität
materieller Besitz Talente, natürliche Begabungen
Zielstrebigkeit Geschlecht
Soziale Fähigkeiten, Fertigkeiten Vorerfahrungen in der Liebe
eine große Familie spezielle berufliche Karriere
Umgang mit den Kindern spezielle Freundschaftsbeziehungen
berufliche Erfüllung spezielle berufliche Fördersituationen
soziales Netz Urvertrauen
Kochen, Feiern, Party machen soziale Herkunft
bis zu einem gewissen Grad: Kreativität Gebären, Stillen

Wegen der Austauschbarkeit des Ersehnten empfiehlt beispielsweise der Soziologe Schoeck, dem Neider nicht allzu weit entgegen zu kommen. Insbesondere wenn der Neid zu einer Persönlichkeitseigenschaft des anderen geworden ist, sind die Anlässe austauschbar. Das Verlangen richtet sich dann auf alles und jeden. An neuen Objekten der Begierde mangelt es nie. Um Schoeck noch einmal zu zitieren:

Erst wenn ein Mensch einsieht, dass bloßes Brüten in neidvollen Vergleichen mit dem Los anderer zu nichts führt, wenn jemand einsieht, wie unentrinnbar die Pein des Neidens ist, weil es ihr nie an Anlässen fehlen wird, und wenn jemand aus dieser Einsicht heraus das Neidgefühl zu einem agonalen [auf Gegnerschaft gerichteten] Trieb werden lässt, also die anderen durch eigene Leistungen „ausstechen“ möchte, ist die neue, zwar vom Neid verursachte, aber von ihm intentional grundsätzlich verschiedene Ebene des wertvermehrenden Konkurrenzverhaltens erreicht.

Neid lässt sich also in wetteiferndes Verhalten umwandeln. Gelingt uns diese Verwandlung der neidischen Energie, um eigene Ziele, Pläne, Ideen zu verwirklichen, so entlastet das die Beziehung. Es verringert das Gefühl, zu kurz zu kommen, und macht uns zufriedener mit uns selbst, aber auch zufriedener mit unserem Partner, denn wir ziehen die negative Energie von ihm ab.

Schoeck, H.: Der Neid. Die Urgeschichte des Bösen, München/Wien: Herbig 1980

Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Neid in Partnerschaften – Literaturangaben

Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 17: Sozialer Vergleich bildet Identität
Teil 18: Neid braucht die Beziehung
Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen

Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen
Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal

Es existiert kein Gut, kein Gegenstand, keine Fähigkeit, nichts, das uns nicht Anlass genug sein könnte, auf unsere Mitmenschen neidisch zu sein. Somit ist der Neid unabhängig vom beneideten Gut – insofern, als wir nicht das Gut selbst beneiden, sondern den psychischen Gewinn, den der Beneidete nach unserer Ansicht daraus zieht. Weil wir vermuten, wie gut es dem anderen dabei geht, wenn er seinen Besitz, seinen Erfolg genießt, reagieren wir darauf mit dem einschlägigen „Das will ich auch“. So wie in dem Film Harry und Sally, als Meg Ryan im Fast-Food-Restaurant Billy Crystal einen Orgasmus vorspielt, um zu beweisen, wie leicht es ist, einen Orgasmus vorzuspielen – und daraufhin eine andere Kundin des Restaurants die Bestellung aufgibt: „Ich will genau das, was sie hatte“.

Auch dieser Neiderin geht es nicht um den Besitz an sich, sondern um die Konsequenzen, die an den Besitz gekoppelt sind. „Was immer es war, das Meg Ryan bestellt hat – wenn es zu einem solchen Ergebnis führt, will ich das auch.“ Wir unterstellen dem begehrten Gut Gewinn bringende Eigenschaften für dessen Besitzer. Allerdings sind diese für jeden Neider verschieden – ein und demselben Gut unterstellen verschiedene Neider sehr verschiedene Wirkungen. Am Beispiel des Besitzes von Geld lässt sich das ganz trefflich illustrieren: Viel Geld bereitet mir ein sorglosen Leben. Viel Geld eröffnet mir den Zugang zu Luxusartikeln. Viel Geld ermöglicht mir, meine Freunde einzuladen. Viel Geld erlaubt das Verreisen in die weite Welt.

Durch diese relative Willkür, was die Neidanlässe betrifft, kommt es im Alltag nicht selten zu dem Phänomen, dass wir jemanden um Dinge beneiden, die er zwar besitzt, die ihm aber faktisch wenig oder nichts bedeuten. Wir übertragen nämlich den psychischen Gewinn, den wir aus dem Besitz des Gutes ziehen würden, auf den beneideten Inhaber ohne uns je ernsthaft vergewissern zu wollen, ob das den Tatsachen entspricht.

In Liebesbeziehungen führt das regelmäßig zu Missverständnissen. Unausgesprochen unterstellen wir unserem Partner, er zöge diesen oder jenen Gewinn aus dem von uns so vermissten Besitz – ohne uns einmal dem Gedanken hinzugeben, dem anderen könnte der Besitz eine Last sein. So ist es durchaus nicht immer ein Gewinn, mit gewissen Talenten ausgestattet zu sein, um die andere einen beneiden. An die Talente sind besondere Anforderungen geknüpft. Bestimmte Erwartungen müssen erfüllt werden. Andere wachen darüber, dass jemand sein Talent nicht vergeudet. Genauso kann Geld eine schwere Last für den Selbstwert desjenigen sein, der es im Übermaß besitzt, wenn der Besitz nicht auf eigenem Verdienst beruht. Vieles hängt von der Vergleichsdimension ab, aus der heraus Besitzender und Nicht-Besitzender auf das Gut schauen.

Im Hinblick auf die angenommenen positiven Wirkungen eines von uns begehrten Gutes neigen wir sehr schnell dazu, von uns auf andere zu schließen. Wir sind in unserer Einschätzung noch dazu so sicher, dass wir es nicht einmal für nötig halten nachzufragen, ob die Einschätzung auch zutrifft. Das führt nach Jahren des guten Glaubens zu Aha-Erlebnissen, die den Partner in völlig neuem Licht erscheinen lassen: „Wie? Dir war es immer ein Gräuel, mit der Geige aufzutreten? Ich dachte, du hättest es genossen, von allen dafür gelobt zu werden …“ – „Siehst du, so wenig kennst du mich! Ich habe es von klein auf gehasst, mich herauszuputzen und vor allen Onkels und Tanten spielen zu müssen.“

Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe
Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Neid in Partnerschaften – Literaturangaben

Pflegereform, Pflegebedürftigkeit, Pflegeevaluation

Wer hätte das gedacht? Es bewegt sich etwas im deutschen Sozialversicherungssystem.

Die im Koalitionsvertrag der GroKo (Seite 83-86) angekündigte Pflegereform wird in ersten Einzelschritten umgesetzt. Gestern stellte Gesundheitsminister Hermann Gröhe der Öffentlichkeit die Eckpunkte vor: Neuer Pflegebefürftigkeitsbegriff, fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen in einem “Neuen Begutachtungsassessment” (NBA), Anhebung der Beiträge um zunächst 0,3% vom Bruttoeinkommen, die später noch einmal um 0,2% angehoben werden.

Das addiert sich zu einem Beitragssatz von 2,55% für Menschen mit Kindern und von 2,8% für Menschen ohne Kinder – mit dem ab 2017 eine Steigerung des Leistungsumfangs von 20% erbracht werden soll. Nominell mag der Minister zurecht von 20% mehr Leistungskraft sprechen. Doch da die Zeitbemessung (Minuten-Pflege) wegfallen und menschliche Zuwendung im System berücksichtigt werden soll, wird diese Reform allenfalls als Anschubfinanzierung für einen weiteren Reformschritt dienen (können).

Ein Fünftel der Beitragssatzerhöhung (0,1%) wird zunächst einmal 20 Jahre lang in einen Vorsorgefonds eingezahlt werden, den die Bundesbank verwalten und am besten auch mehren soll. Dieser Fonds fungiert als eine Art wachsender Sparstrumpf, der die Pflegekassen entlasten soll, wenn die geburtenstarken Jahrgänge (geboren Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre) diejenigen sind, die pflegebedürftig werden.

Der Clou an der ganzen Reform ist jedoch die gezielte Evaluation einzelner Maßnahmen vor ihrer Einführung. Das heißt, erstmals (soweit mir bekannt ist) wird eine anstehende Gesetzesreform durch wissenschaftliche Begleitforschung vorbereitet. Die Ergebnisse sollen dann in die anstehenden Novellierungen der verschiedenen Sozialgesetzbücher einfließen.

Über ein Jahrzehnt nach Einführung der Disease Manangement Programme (DMP) und anderer Innovationen in der ambulanten Versorgung (Integrierte Versorgung, Hausarztzentrierte Versorgung, Medizinische Versorgungszentren), bei denen es die Politik sträflich versäumt hat, wissenschaftliche Evaluation vor und mit der Einführung zu veranlassen, haben Regierung und Gesetzgeber offenbar dazu gelernt.

Bisher waren die politischen Mehrheiten, egal ob die rot-grüne (1998-2005), schwarz-rot, die 1. (2005-2009), oder die schwarz-gelbe (2009-2013), zwar immer reformbemüht, aber an einer Bewertung des Reformgeschehens hatte niemand wirklich Interesse. Erfreulicherweise wird das jetzt anders. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hat zwei Forschungsaufträge vergeben. Zum einen sollen die Auswirkungen des NBA in der stationären Versorgung erforscht werden: Evaluation des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) – Erfassung von Versorgungsaufwänden in stationären Einrichtungen. Zum anderen wurde der Medizinische Dienst der Krankenkassen beauftragt, eine “Praktikabilitätsstudie zur Einführung des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI” durchzuführen.

Diese Evaluierungs-Revolution verdanken wir dem Expertenbeirat zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, der genau das in seinem Gutachten empfohlen hat. Ich bin gespannt, ob und wenn ja, wie die Evaluation zukünftige Gesetzgebung beeinflusst.

Wird Gesundheitsminister Gröhe nach der Europa-Wahl abgelöst?

Der Staatssekretär im Gesundheitsminsterium, Karl-Josef Laumann, hat vergangene Woche der Ärztezeitung ein Interview gegeben. Das ist zunächst nicht weiter ungewöhnlich, wäre die Fragestellung und das Setting nicht so, dass der Leser denkt: Wieso macht das nicht der Hermann Gröhe, der verantwortliche Ressortleiter, der Bundesgesundheitsminister?

Das Interview nämlich thematisiert die große Gesetzesreform im Pflegebereich, die von der GroKo gerade geplant wird – und es wäre die genuine Aufgabe des Ministers öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Klar, Laumann ist auch der Beauftragte der Regierung für Pflege und Patientenrechte. Aber das Interview macht deutlich: Hier redet einer, der bereits Arbeits-, Gesundheits- und Sozialminister war (NRW 2005-2010) und der offenbar bereit ist, auch auf Bundesebene höhere Aufgaben zu übernehmen: “Dass ich in diesen Prozess (der Pflegereform, Z.) sehr gut eingebunden bin, sehen Sie alleine schon daran, dass es keine Besprechung zum Thema Pflege gibt, an dem mein Team und ich nicht beteiligt sind.”

Wenn der Staatssekretär solche Sätze sagt, welche Rolle spielt dann der Minister Gröhe (noch)? Ist er bereits beurlaubt? Oder bestätigen sich hier Meinungsbilder, die sich in der Selbstverwaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung (Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung) herumsprechen, der Minister werde vom eigenen Haus quasi rausgemobbt, geschnitten, blockiert, behindert – weil die Ministeriumsmitarbeiter finden, dass er völlig fehlbesetzt sei – ein Eindruck, den ein Außenstehender, der sich mit der Materie ein wenig auskennt, durchaus auch haben kann.

Das Interview, das Thema und die Art und Weise, wie Laumann Stellung nimmt, und das Hörensagen aus dem Ministerium, sprechen sehr dafür, dass der Staatssekretär der kommende Mann an der Spitze des Ministeriums sein könnte. Aktuell braucht die Bundeskanzlerin bis zur Europa-Wahl im Mai jedoch Ruhe. Außerdem hat Gröhe als vorheriger Generalsekretär einen guten Stand in der Partei und kann also nicht schnöde beiseite geräumt werden.

Doch nach der Europa-Wahl gibt es sicherlich einen Posten in Europa, auf den er weggelobt werden kann. Wetten, dass…?

Exkurs: Sozialer Vergleich im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen
Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen

Auf einer TED-Konferenz im Jahr 2011 in Atlanta/Georgia trat der holländische Verhaltensforscher Franz de Waal auf, um vom moralischen Verhalten bei Tieren zu berichten. Tiere seien ebenso wie Menschen in der Lage, Kooperationsbereitschaft zu zeigen, sich prosozial zu verhalten oder ein Gefühl für Fairness zu haben.

De Waal stellte in seinem Talk mehrere Videosequenzen von Versuchsanordnungen dar, in denen Tiere dazu gebracht werden konnten, die jeweiligen Verhaltensweisen bzw. die damit verbundenen Gefühle zu zeigen. Im Zusammenhang mit dem sozialen Vergleich und dem Neid-Gefühl, das ausgelöst wird, wenn der Vergleich um ein begehrtes Gut zu unseren Ungunsten endet, steht eine Videosequenz seines Vortrages, die große Heiterkeit beim Betrachter auslöst.

De Waal zeigt ein Experiment, dessen zentraler Bestandteil ein sozialer Vergleich zwischen zwei Kapuziner-Äffchen ist. Beide haben die Aufgabe, einen Stein aus dem Käfig zu geben und erhalten dafür eine Belohnung. Anfänglich bekommen beide ein Stück Gurke – und sind zufrieden. Ein Affe bekommt jedoch in der nächsten Runde eine Weintraube, der andere erneut ein Stück Gurke. Der Vergleich geht sehr zuungunsten des Gurkenempfängers aus – und der macht seinem Ärger deutlich Luft:

 

Ganz klar, in einem solchen Moment wäre auch ein 3-Jähriger wütend, wenn ein Anderer so bevorzugt würde. 5-Jährige verstehen sofort, was dem einen Kapuziner-Äffchen widerfährt: Der andere kriegt für die gleiche Leistung eine bessere Entlohnung. Das ist ungerecht. Als Erwachsener verstehe ich auch den neidischen Impuls, der sich durch das Wegwerfen des Gurkenstücks ausdrückt: Bewirf die Verantwortliche für die schreiende Ungerechtigkeit mit dem minderwertigen Gut, das sie dir unterjubeln wollte, während der am Nebentisch (im anderen Käfig) süße Trauben für den Job kriegt.

Ein Experiment, das den Ärger, die Wut über soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit perfekt deutlich macht. Und ein Beleg dafür, dass es genügend Situationen gibt, in denen der Neid signalisiert: Das ist nicht hinnehmbar, wehr Dich!

Den vollständigen Vortrag (16 Minuten) gibt es hier. De Waal präsentiert weitere Beispiele tierischen Verhaltens, Sequenzen zur Kooperationsbereitschaft bei Elefanten und prosozialem Verhalten bei Affen.

 

Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen
Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe
Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 14: Neid in sozialen Beziehungen: Kulturelle und psychologische Grundlagen
Teil 15: Neid: Wie Tradition und Innovation sich blockieren
Teil 16: Sozialer Vergleich – Wurzel allen Übels?
Teil 17: Sozialer Vergleich bildet Identität
Teil 18: Neid braucht die Beziehung
Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen

  • Erfüllen Sie sich Ihre Wünsche nacheinander.
  • Trennen Sie zwischen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Wünschen.
  • Lassen Sie sich nicht von Ihren Wünschen überfluten.
  • Auch wenn es noch so verlockend ist: Gehen Sie keine materiellen Risiken ein.
  • Gönnen Sie sich den Luxus, sich auch einmal von einem Wunsch zu verabschieden.
  • Klären Sie das Verhältnis zwischen dem Aufwand, den Wunsch zu befriedigen, und dem Nutzen, wenn der Wunsch befriedigt ist.
  • Fragen Sie sich, ob das Bedürfnis tatsächlich Ihr eigenes ist, oder ob es von außen an Sie herangetragen wurde.
  • Fragen Sie sich, ob es auch andere Wege gibt, das Bedürfnis zu befriedigen, als die von Ihnen bereits anvisierten.
  • Schätzen Sie vorher ab, worauf Sie später verzichten müssen, wenn Sie jetzt dieses Bedürfnis befriedigen.
  • Fragen Sie sich, ob die Wunscherfüllung zwar kurzfristig zufriedener macht, aber langfristig weiterhin alle Wünsche offen bleiben.
  • Versuchen Sie herauszufinden, ob das Bedürfnis, das Sie nun erfüllt wissen wollen, tatsächlich jenes Verlangen stillt, das Sie umtreibt.

Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal
Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen
Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe
Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 14: Neid in sozialen Beziehungen: Kulturelle und psychologische Grundlagen
Teil 15: Neid: Wie Tradition und Innovation sich blockieren
Teil 16: Sozialer Vergleich – Wurzel allen Übels?
Teil 17: Sozialer Vergleich bildet Identität
Teil 18: Neid braucht die Beziehung

Sie gewinnen ein wenig Distanz und Gelassenheit gegenüber dem eigenen Neid, wenn Sie

  • zunächst einschätzen, ob der Neid Sie vorübergehend ereilt oder dauerhaft an Ihnen nagt;
  • sich sehr genau fragen, ob Sie tatsächlich genau das begehren, was der andere hat – oder ob ihr Neid nicht andere Ursachen hat;
  • erkennen, was Sie verändern können und was nicht;
  • unterscheiden, was Sie verändern wollen, von dem, was Sie verändern können;
  • sich auf eigene Wünsche und Bedürfnisse konzentrieren;
  • versuchen, sich auf Ihre eigene Weise Gutes zu tun, wie
  • es der Beneidete offenkundig für sich tut;
  • die Neid auslösende Situation aus der Perspektive des Beneideten betrachten;
  • sich klar machen, welchen Preis der Beneidete für das Gut zahlt;
  • den Blick von dem begehrten Gut auf etwas verschieben, das Sie tatsächlich erlangen können;
  • sich klar machen, dass immer auch Schwierigkeiten daran gebunden sind, sich Träume, Bedürfnisse, Wünsche zu erfüllen.

Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen
Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal
Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen
Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe
Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Neid in Partnerschaften: Literaturangaben

Neid braucht Beziehung – und auch nicht

Teil 11: Aus der Sprachlosigkeit finden, wenn Neid die Stimmung trübt
Teil 12: Fragen zum eigenen Neid, die sich zu stellen lohnen
Teil 13: Produktiver Umgang mit Neid erwünscht
Teil 14: Neid in sozialen Beziehungen – kulturelle und psychologische Grundlagen
Teil 15: Neid: Wie Tradition und Innovation sich blockieren
Teil 16: Der soziale Vergleich als Wurzel des Übels?
Teil 17: Sozialer Vergleich bildet Identität

Empfinden wir Neid, beruht das auf dem (für uns ungünstigen) sozialen Vergleich mit einem Menschen, der uns ähnlich ist und mit dem wir uns identifizieren können. Derjenige muss uns in irgendeiner Weise berühren können, auch wenn er uns nicht nahe steht, ja wir ihn vielleicht nicht einmal kennen. Fremde, die uns nicht berühren, können noch so viel von dem besitzen, was wir auch gern hätten: Der Vergleich löst in den meisten Fällen keine emotionale Reaktion aus.

Das Ähnlichkeitsgebot ist eine Voraussetzung für den sozialen Vergleich. Um tatsächlich neidisch zu sein, brauchen wir jedoch eine Beziehung. Oder besser: Der Neid braucht die Beziehung – und kommt doch völlig ohne sie aus. Ohne einen anderen Menschen, auf den wir uns beziehen können, den wir um seine Talente, Fähigkeiten oder Chancen beneiden können, gäbe es keinen Neid. Und doch geschieht es, dass derjenige, auf den wir uns beziehen, auf den wir neidisch sind, nichts von unserem Neid bemerkt.

Das erscheint mir als das Beziehungsparadoxon des Neides: in Beziehung zu sein, ohne in Beziehung zu sein. Neid ist das einsamste Beziehungsgefühl, das unser emotionales Spektrum zu bieten hat, denn Neid schließt wechselseitige Gefühle aus. In den meisten Fällen wollen wir nicht, dass der Beneidete uns als Neider erkennt. Damit unterscheidet sich der Neid grundlegend von Trauer, Wut oder Angst, die meist entweder in der Abgeschiedenheit der Einsamkeit oder bezogen auf andere auftauchen, kaum jedoch gleichzeitig beide Seiten in uns ansprechen. Auch andere Gefühle wie Zuneigung und Bewunderung leben von der Hinwendung zum anderen, werden durch diesen gestärkt und im besten Fall erwidert.

Für Angst, Wut und Trauer genügen äußere Anlässe, materielle Verluste, sicher auch menschliche Auslöser. Doch wir brauchen andere Menschen nicht notwendigerweise für diese Gefühle. Neid dockt immer an einen Menschen an. „Der Fürst der Galle“, wie ihn der Psychoanalytiker Wolfgang Krüger nennt,9 giert nach den Eigenschaften des anderen, nach seiner Attraktivität, seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten, nach seiner sozialer Kompetenz, nach seinen besonderen Lebensumständen. Theoretisch ist es denkbar, dass wir auch auf uns selbst neidisch sind, wenn wir etwa im hohen Alter auf die eigene Jugend zurückschauen – aber dieses eher seltene Phänomen halte ich an dieser Stelle für vernachlässigbar.

Um neidisch zu sein, brauchen wir ein menschliches Gegenüber, das wir beneiden können. Und doch sind wir eingesperrt in einer Art emotionalem Gefängnis, einsam, beschämt, zurückgeworfen auf die eigene Minderwertigkeit und das Mangelerleben und ohne Chance, uns des Beneideten rückzuversichern. Der wahrgenommene Mangel, das ungestillte Begehren macht uns zu klein, um uns mit dem anderen als gleichwertig zu verbinden.

Obwohl das Gefühl aus der Beziehung resultiert, verbaut es uns zunächst den Weg hinein in die Beziehung. Es stört, schafft Distanz, weckt Scham, signalisiert Unterlegenheit. Gleichzeitig erinnert es uns an Autonomie, eigene Bedürfnisse, Ziele und Hoffnungen, die wir für den eigenen Lebensentwurf hegen. So vermag uns der Neid auf den Partner, den wir plötzlich empfinden, bewusst zu machen, dass wir es versäumt haben, uns um uns selbst zu kümmern.

Damit wird der Neid zum Signal, daran etwas zu verändern. So sehr wir das Gefühl vor unserem Beziehungspartner verbergen müssen, weil wir uns dafür schämen, so deutlich richtet sich die Botschaft an uns selbst:

  • Tu etwas! Handle!
  • Verbessere die Situation!
  • Erinnere dich der eigenen Träume!
  • Übernimm Verantwortung für dein Leben!

Vielleicht sehen wir den Beneideten schon auf dem Weg, das eine oder andere zu verwirklichen, von dem auch wir träumen. Unser Partner lernt Schlagzeug spielen, schließt sich einer Theatergruppe an oder befindet sich auf einer Reise, von der auch wir schon seit vielen Jahren träumen. Oder aber der Beneidete findet eine Arbeitsstelle, die einen entscheidenden Schritt in der Karriere darstellt. Oder er schwärmt von der guten Beziehung zu den Kindern, die uns selbst in den letzten Wochen wegen zu großer Geschäftigkeit abhanden gekommen ist.

Unser einsamer Neid inmitten der Beziehung wirft uns jedenfalls auf die Erkenntnis zurück, entweder sogleich tatkräftig etwas verändern zu müssen – oder eben die Fähigkeit zu entwickeln, den Dingen, die sich nicht einfach verändern lassen, gelassener gegenüber zu stehen.

Tipps: Dem Neid mit Gelassenheit begegnen
Tipps: Mehr Gelassenheit mit Wünschen und Bedürfnissen
Exkurs: Neid im Tierreich – Ein Versuch mit Kapuziner-Affen von Frans de Waal
Teil 19: Anlässe für Neid in Liebesbeziehungen
Teil 20: Beinflussbare und nicht-beeinflussbare Neidanlässe
Exkurs: Neid und Eifersucht – nahe Verwandte

Neid in Partnerschaften: Literaturangaben

Sozialer Vergleich bildet Identität

Exkurs: Schneewittchen und die sieben Zwerge
Teil 10: Neid trägt viele Kleiderc
Teil 11: Aus der Sprachlosigkeit finden, wenn Neid die Stimmung trübt
Teil 12: Fragen zum eigenen Neid, die sich zu stellen lohnen
Teil 13: Produktiver Umgang mit Neid erwünscht
Teil 14: Neid in sozialen Beziehungen – kulturelle und psychologische Grundlagen
Teil 15: Neid: Wie Tradition und Innovation sich blockieren
Teil 16: Der soziale Vergleich als Wurzel des Übels?

Durch diese sozialen Erfahrungen lernen wir, wie selbstverständlich es ist, uns miteinander zu vergleichen. Wir denken nichts Schlechtes dabei, denn wir brauchen den Vergleich in unseren Reifungsprozessen, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Welt erkennen und eine Haltung dazu einnehmen zu können. Das Kind vergleicht beispielsweise die Käsebrote und den Apfel, die es mit in den Kindergarten nimmt, mit dem Müsliriegel, den ein anderes Kind in der Tasche hat. Dann erkennt das Kind mit den Broten zunächst einmal, dass überhaupt die Möglichkeit besteht, an Stelle der Brote im Kindergarten Müsliriegel zu essen. Daraufhin begehrt das Kind die Müsliriegel des anderen, wenn diese ihm denn schmecken. Der Vergleich geht zu den eigenen Ungunsten aus – und die Mutter wird sich Gedanken machen müssen, wie sie die neuen Bedürfnisse des Kindes stillt und eventuellen Neid dämpft.

Auch Tiere konkurrieren ja schon miteinander, sei es um die attraktivste Gefährtin oder das prächtigste Geweih. Wir scheinen also naturnotwendig dazu verurteilt, uns zu beobachten und die Ergebnisse zu vergleichen. So bemerken wir die Unterschiede zwischen uns. Daran können auch alle gleichmacherischen Ideen der Weltgeschichte nichts ändern: Unterschiede zwischen uns sind ein wichtiges Merkmal der eigenen Identitätsbildung. Wir alle vergleichen von frühester Kindheit – und sollten es auch ohne schlechtes Gewissen tun.

Der Umkehrschluss nämlich, wir bräuchten uns nur alle nicht mehr mit anderen zu vergleichen, und schon verschwände der Neid aus der Welt, geht fehl. Er missachtet die Notwendigkeit, sich im Rahmen der eigenen Entwicklung aneinander zu orientieren und aufeinander zu beziehen. Denn erst im Vergleich bemerken wir, wie wir vielleicht selbst gern wären. Im Vergleich nehmen wir ein Talent wahr, das wir selbst gern hätten, das uns aber aus welchem Grund auch immer fehlt.

Je nach Vergleichsdimension und Richtung des Vergleiches findet eine Selbstbewertung statt: Vergleichen wir uns aufwärts, also mit jemandem, den wir als überlegen wahrnehmen, in einer Dimension, die für uns von großer Bedeutung ist, so droht Gefahr für die resultierende Bewertung, den Selbstwert. Für eine Frau etwa, die für Haushalt und Kinder verantwortlich ist, gern aber auch ihrem Beruf nachginge, ergibt sich aus einem Vergleich mit ihrem berufstätigen Mann eine negative Selbstbewertung – und eine Quelle von Neid. Allerdings ist eine solche Bewertung nicht zwangsläufig bedrohlich. Die Orientierung daran, was der andere beruflich tut, kann auch dazu motivieren, selbst Mittel und Wege zu finden, den eigenen Wiedereinstieg in den Beruf umzusetzen.

Vergleichen wir uns abwärts, also mit jemandem, den wir als unterlegen wahrnehmen, in einer Dimension, die für uns von großer Bedeutung ist, so entsteht daraus eine positive Einschätzung des Selbstwertes: Da geht es also jemandem schlechter als uns selbst. Da hat jemand größere Schwierigkeiten. Für eine Frau beispielsweise, die das Familieneinkommen nach Hause bringt, bewirkt ein Vergleich mit ihrem arbeitslosen Mann eher positive Selbstbewertungen. Allerdings enthält dieser Abwärtsvergleich auch bedrohliche Anteile, denn niemand ist vor Arbeitslosigkeit gefeit: Versetzt die Frau sich in ihren Mann, der arbeitslos ist, so könnte sie diese Vorstellung als beunruhigend erleben. Das könnte sie daran hindern, positive Gefühle aus dem Vergleich abzuleiten.

In manchen Fällen ist es uns möglich, durch die Wahl einer adäquaten Vergleichsdimension mitzubestimmen, ob wir zu einer positiven oder einer negativen Selbsteinschätzung gelangen. In vielen anderen Fällen laufen die Vergleiche eher automatisiert ab und lassen sich nicht steuern. Gerade bei Vergleichen, in denen wir immer wieder routiniert zu denselben neidmotivierten Ergebnissen kommen, ist es kaum möglich, einfach die Vergleichsdimension zu wechseln. Eine Ausnahme gibt es: Das Paar geht diesen Dimensionswechsel gezielt an. Doch dazu später mehr.

Teil 18: Neid braucht Beziehung – und auch nicht

Neid in Partnerschaften: Literaturangaben