Das durchschaubare Spiel der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Im Koalitionsvertrag der GroKo (S. 76) steht dieser wunderbar eindeutige Satz, der den Anfang vom Ende des Systems Kassenärztlicher Vereinigungen (KV) einleiten könnte; eines Systems, das von den ambulant niedergelassenen ÄrztInnen gehassliebt wird:

Die Vertreterversammlungen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Kassenärztlichen Vereinigungen werden zu gleichen Teilen aus Haus- und Fachärztinnen und -ärzten gebildet. Über rein hausärztliche Belange entscheiden die hausärztlichen Mitglieder der Vertreterversammlung, über rein fachärztliche Belange die fachärztlichen Mitglieder der Vertreterversammlung.

Wenn nicht das Ende des Systems, so würde dieser Satz, stünde er in einem Gesetz, doch einen erheblichen Einschnitt für die Machtkonstellationen der ärztlichen Selbstverwaltungsgremien bedeuten. Parität per Gesetz hieße, eine jahrzehntelange Dominanz der Gebiets- über die Hausärzte zu beenden.

Die Abwehrkämpfe der KBV-Vertreterversammlung haben auf jeden Fall begonnen. So gibt es jetzt einen neuen Aussschuss, der die Interessen von Haus- und Fachärzten ausgleichen soll – ein letzter Versuch, das Gesetz durch innere Reformen abzuwenden. Ein letzter Versuch, das eigene Versagen zu kaschieren – und das Eingeständnis, dass es offenbar vorher nicht gelungen ist, die Interessen auszugleichen.

Wenn jetzt KBV-Chef Gassen mit größtmöglicher Larmoyanz Entschiedenheit davon spricht, dass es keine “Bevorzugung eines Versorgungsbereiches” geben dürfe, dann ist das  armselig.

Sein Laden, seine fachgebietsärztlich dominierten Selbstverwaltungsgremien tragen die Hauptschuld daran, dass die hausärztliche Versorgung sysmatisch geschwächt und der Hausarzt-Beruf immer unattraktiver für den Nachwuchs gemacht wurde. Sein KV-System hat die gegenwärtige Krise der Versorgung auf dem Land mitverschuldet.

Und nun meint Herrn Gassen, Ungleichbehandlung zwischen Fachspezialisten und Hausärzten sei abzulehnen. Jahrzehnte konnte das KV-System die fachärztliche Seite unwidersprochen bevorzugen. Das Jammern des dominierenden Versorgungsbereiches setzt genau dann ein, wenn dieser Ungleichheit nicht länger tatenlos zugesehen werden soll. – Wer sich solche ärztlichen Standesvertreter wählt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ein genervter Politikbetrieb, die Unfähigkeit der Selbstverwaltung beklagt – und gesetzgeberische Maßnahmen verfügt, dieser Unfähigkeit zu begegnen.

Ich bin gespannt, ob der plötzliche Hang der KBV zum Interessensausgleich das Gesetz in der geplanten Form abwenden kann – oder ob sich der Hausärzteverband im Gesetzentwurf durchsetzt.

Der will die klare Trennung der Gebiete – sicher mit dem Ziel einer eigenen Hausarzt-KV.

Qualität im Gesundheitsjournalismus – das Buch

Bei SpringerVS erscheint dieser Tage ein Buch, das sich der Berichterstattung über Gesundheit und Krankheit in den Medien (Print, TV, Radio, soziale Netzwerke) widmet. Zusammengestellt hat das Werk eine Arbeitsgruppe rund um Volker Lilienthal, den Inhaber der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für die Praxis des Qualitätsjournalismus am Hamburger Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft.

Titel-Qualitaet-GesundheitsjournalismusIm einleitenden Kapitel benennen und erläutern die Herausgeber die verschiedenen Rollen, die der Gesundheitsjournalismus in den Medien zu erfüllen hat: Das Genre dient als Ratgeber und erfüllt die Funktion der Krisenberichterstattung (EHEC, Vogelgrippe). Gleichzeitig sind Gesundheitsthemen Teil des politischen Journalismus, wenn über politische Entscheidungen, Gesetzgebungsprozesse und den medizinisch-industriellen Komplex (Pharmaindustrie, Krankenhäuser, Ärzteschaft) berichtet wird. Natürlicherweise ist der Gesundheitsjournalismus  auch in den WIrtschaftsressorts verankert, denn für Gesundheitsleistungen werden in Deutschland jährlich ca. 300 Milliarden Euro umgesetzt. Schließlich sind es ethische Fragen, die der Gesundheitsjournalismus zu bearbeiten hat -  von der aktiven Sterbehilfe über das Embryonenschutzgesetz bis zur Präimplantationsdiagnostik.

Der Sammelband vereint Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft (u.a. Volker Lilienthal, Holger Wormer, Marcus Anhäuser, Joachim Trebbe) und Praxis (u.a. Martina Keller, Werner Bartens, Volker Stollorz) – entsprechend der Gliederung in die beiden großen Themenkomplexe: Gesundheitsjournalismus und Wissenschaft sowie Gesundheitsjournalismus und Praxis.

Auch ich bekam die Gelegenheit, einen Beitrag zu leisten: „Garbage in – garbage out“ – wenn die journalistischen Quellen vergiftet sind”. Darin zeige ich die Schwierigkeiten auf, denen Journalistinnen und Journalisten begegnen, wenn ihnen gezielt und absichtsvoll vergiftete Quellen zur medialen Verwertung angeboten werden. Dazu gehören bspw. Fachaufsätze in renommierten Zeitschriften, in denen die Industrie ihre Rolle als Auftraggeber verschleiert. Zu diesem Panoptikum zählen Medikamenten-Hersteller, die durch planvolles Verschweigen verhindern, dass bspw. der gesamte Umfang eines Medikamenten-Nebenwirkungsprofils bekannt wird. In dieser Reihe stehen aber auch Forscherinnen und Forscher, die Daten erfinden oder unangemessene Auswertungsstrategien verwenden, um ihre Ergebnisse in besserem Licht erscheinen zu lassen.

Ich habe ein paar ältere Blogbeiträge verlinkt, die thematisch mit dem Buch-Beitrag verbunden sind:

http://blog.zettmann.de/2007/02/08/anti-dementiva-was-haben-wir-gelernt/

http://blog.zettmann.de/2007/02/11/gelber-curry-und-das-gedachtnis/

http://blog.zettmann.de/2008/02/08/pseudoscience/

http://blog.zettmann.de/2008/03/24/was-kostet-es-medikamente-zu-vermarkten/

http://blog.zettmann.de/2008/04/24/alzheimer-drugs-the-evidence-is-still-not-convincing/

http://blog.zettmann.de/2008/04/25/studien-zu-alzheimer-medikamenten-und-die-studien-autoren/

http://blog.zettmann.de/2012/04/13/nochmal-vergiss-alzheimer/

http://blog.zettmann.de/2013/04/01/novartis-verliert-patentschutzstreit-in-indien/

Geschlechterneid im 21. Jahrhundert

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 28: Neid zwischen den Geschlechtern
Teil 29: Wie umgehen mit den neuen Lebenswirklichkeiten in Partnerschaften?
Teil 30: Männlicher Neid auf Frauen
Teil 31: Gebärneid – Frauen können Leben geben
Teil 32: Sexuelle Macht und sexuelle Potenz
Teil 33: Weibliche Kommunikationskultur, Sozialkompetenz, Bindungsfähigkeit
Teil 34: Weiblicher Neid auf Männer
Teil 35: Neidisch auf die gesellschaftliche Macht der Männer?
Teil 36: Netzwerke und Seilschaften der Männer
Teil 37: Körperliche Kraft und Selbstsicherheit der Männer

Insgesamt scheinen die Frauen besser mit dem gesellschaftlichen Wandel umzugehen als die Männer. Das ist nicht verwunderlich, denn viele dieser Veränderungen gehen auf weibliche Initiative zurück. Manche Männer sehen eher die Nachteile, die sich für sie aus dem Abbau ihrer Privilegien ergeben. Während Frauen ihren Neid auf die Männer bis auf wenige Ausnahmen verringern können, wächst der (Abstands-)Neid der Männer auf die Frauen – zumindest bei jenen Männern, denen es schwer fällt, die Gleichberechtigung der Geschlechter anzuerkennen.

Mancher Mann sehnt sich zurück nach den einfachen Zuschreibungen der Vergangenheit („Du hier im Haus, ich dort weit draußen“). Parallel dazu ergreifen Frauen ihre Chancen, nutzen die neuen Gelegenheiten, die sich ihnen bieten, die eigenen Talente zu entfalten. Männer beklagen noch zu häufig, das ihnen abhanden gekommene, „geordnete“ Gestern. Frauen begrüßen die ungleich größeren Chancen der Gegenwart und wünschen sich doch sehr, auch die Männer kämen mit auf die Reise – ohne den Ballast beengender Rollenhierarchien und biologisch verankerter Begrenzungen. Viele Männer können noch nicht erkennen, welcher Vorteil sich daraus für sie ergibt, ihr altes Rollengewand abzustreifen und zu einer neuen männlichen Identität zu finden. Infolgedessen verläuft der Umbruch zwischen den Geschlechtern gegenwärtig in verschiedenen Geschwindigkeiten. Mit entsprechenden Folgen für die Liebe und unsere Partnerschaften.

Aufgrund biologischer und sozialer Unterschiede, aber auch aufgrund verschiedener Bedürfnisse und Interessen werden Männer und Frauen zukünftig zwar gleichberechtigt, aber deswegen keinesfalls gleich sein. Deswegen wird das Verhältnis der Geschlechter ein steter Quell von Spannungen bleiben. Konflikte, Krisen und Konfrontationen, die sich insbesondere rund um Kinder, Küche und Karriere entfalten, liegen nahe. Geschlechterkonkurrenz und Geschlechterneid stellen also auch übermorgen noch einen wichtigen sozialen Umstand dar. Die damit verbundene Herausforderung sollten wir annehmen, um sie konstruktiv und kreativ zu nutzen.

Neid in Partnerschaften: Literatur

Körperliche Kraft und Selbstsicherheit der Männer

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 28: Neid zwischen den Geschlechtern
Teil 29: Wie umgehen mit den neuen Lebenswirklichkeiten in Partnerschaften?
Teil 30: Männlicher Neid auf Frauen
Teil 31: Gebärneid – Frauen können Leben geben
Teil 32: Sexuelle Macht und sexuelle Potenz
Teil 33: Weibliche Kommunikationskultur, Sozialkompetenz, Bindungsfähigkeit
Teil 34: Weiblicher Neid auf Männer
Teil 35: Neidisch auf die gesellschaftliche Macht der Männer?
Teil 36: Netzwerke und Seilschaften der Männer

Schließlich gibt es bei manchen Frauen doch eine Form neidischen Erlebens, die auf biologische Unterschiede zurückzuführen ist: Neid auf die größere körperliche Kraft und die daraus resultierende größere Selbstsicherheit der Männer.

Bei der Überlegenheit der Männer, wie bei der größeren sexuellen Potenz der Frauen, handelt es sich allerdings um eine unabänderliche Tatsache, die sich auch durch Übung oder kreativen Umgang nicht wirklich aus der Welt schaffen lässt.

Allerdings wirken sich die Tatsachen sehr unterschiedlich aus: Der Mann fühlt sich allenfalls in seinem Selbstwertgefühl geschwächt, wenn er die Frau sexuell so potent erlebt. Für die Frau hingegen besteht Gefahr an Leib und Leben, wenn ein körperlich überlegener Angreifer ihr zu nahe tritt. Dieser weibliche Neid auf den Mann speist sich also auch aus der Sehnsucht, dem Mann mit adäquater Kraft die Stirn bieten zu können, wenn dieser die Frau angreift.

Umgekehrt heißt das: Verhielten sich Männer Frauen gegenüber anders, so bräuchten diese diesbezüglich nicht neidisch zu sein. Solange das nicht der Fall ist, helfen Selbstverteidigungskurse, um zumindest das subjektive Sicherheitsempfinden zu steigern. Der Neid selbst wird dadurch jedoch nicht verschwinden.

Teil 38: Geschlechterneid im 21. Jahrhundert

Neid in Partnerschaften: Literatur

Netzwerke und Seilschaften der Männer

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 28: Neid zwischen den Geschlechtern
Teil 29: Wie umgehen mit den neuen Lebenswirklichkeiten in Partnerschaften?
Teil 30: Männlicher Neid auf Frauen
Teil 31: Gebärneid – Frauen können Leben geben
Teil 32: Sexuelle Macht und sexuelle Potenz
Teil 33: Weibliche Kommunikationskultur, Sozialkompetenz, Bindungsfähigkeit
Teil 34: Weiblicher Neid auf Männer
Teil 35: Neidisch auf die gesellschaftliche Macht der Männer?

Aus der lange währenden Bevorzugung des Mannes lassen sich andere Anlässe ableiten, aus denen Frauen neidisch auf Männer reagieren. Über die besseren Karrierechancen und die bessere Bezahlung habe ich schon in diesem Kapitel gesprochen. Nachholbedarf haben Frauen auch hinsichtlich der Entwicklung von Netzwerken und Machtgeflechten, mit deren Hilfe sie sich gegenseitig Wege in die Zentren gesellschaftlicher Macht bahnen. So manche Frau blickt neidisch auf jene Männer, die seit Jahrhunderten Studentenverbindungen und Clubs wie Rotary oder Lions oder auch mehr oder weniger geheime Logen wie Opus Dei, P2 oder die Freimaurer nutzen, um sich zu ihrem eigenen Vorteil zu verbinden und sich wechselseitig zu fördern.

Doch nicht nur diese überregional bekannten Seilschaften sorgen dafür, die männliche Macht zu erhalten und auszubauen: Auch auf lokaler Ebene dienen Honoratiorenclubs, Tennis- und Schützenvereine oder die Freiwillige Feuerwehr dazu, informelle Verbindungen zwischen den Männern zu knüpfen und aufrechtzuerhalten, um sich gegenseitig zu fördern oder anderweitig zu begünstigen. Die Kultur der Männerbünde beeinflusst gesellschaftliche Belange weiterhin stark. Mit deren Auswirkungen wiederum müssen sich auch Frauen auseinandersetzen. Deshalb und weil der Neid auf die Männer dadurch kleiner wird, ist einigen Frauen daran gelegen, dem ein weibliches Gegengewicht entgegenzusetzen.

Teil 37: Körperliche Kraft und Selbstsicherheit der Männer
Teil 38: Geschlechterneid im 21. Jahrhundert

Neid in Partnerschaften: Literatur

Neidisch auf die gesellschaftliche Macht der Männer?

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 28: Neid zwischen den Geschlechtern
Teil 29: Wie umgehen mit den neuen Lebenswirklichkeiten in Partnerschaften?
Teil 30: Männlicher Neid auf Frauen
Teil 31: Gebärneid – Frauen können Leben geben
Teil 32: Sexuelle Macht und sexuelle Potenz
Teil 33: Weibliche Kommunikationskultur, Sozialkompetenz, Bindungsfähigkeit
Teil 34: Weiblicher Neid auf Männer

Mittlerweile gehört es zum Selbstverständnis auch der Psychoanalyse, nicht mehr das Organ selbst als den Auslöser dieses weiblichen Neids zu betrachten, sondern die mit dem Besitz des Organs verbundene Macht und gesellschaftliche Anerkennung. Angesichts der Ungleichheiten, die Männer qua Geschlecht bevorzugen und Frauen aus demselben Grund benachteiligen, verwundert es nicht, wenn Frauen darauf neidisch reagieren. Der Neid der Frauen auf die Männer resultiert also nicht aus der biologischen Verschiedenheit der Geschlechter, sondern aus der sozialen.

Deshalb nennt Karen Horney, ebenfalls Psychoanalytikerin, das, was Freud verkürzt als „Penisneid“ in die Geschlechterdiskussion einbringt, „Männlichkeitskomplex“. In ihm drückt sich aus, was die Frau vermisst, wenn sie erlebt, wie ihr systematisch Dinge verwehrt sind, die Männer jederzeit zugestanden werden. In diesem Komplex äußert sich die Sehnsucht der Frau, ebensolche Entwicklungschancen zugestanden zu bekommen wie der Mann – und nicht nur auf die Rolle als Hausfrau und Mutter festgelegt zu werden. Horney schreibt:

Soweit bei diesen Männlichkeitswünschen der Neid auf den Mann im Vordergrund steht, äußern sie sich wie jeder andere Neid auch, also in diesem Fall in einem Ressentiment gegen den Mann, in einer inneren Erbitterung gegen ihn als den Bevorzugten, wie sie etwa der Arbeiter gegen den Unternehmer hat; in einer geheimen Feindseligkeit, die gleichsam darauf lauert, ihm eine Niederlage zu bereiten, oder ihn mit den tausend Mitteln des täglichen Kleinkrieges seelisch zu erlahmen. Kurz wir sehen das Bild, wie es sich in zahllosen Ehen auf den ersten Blick zeigt.

Die von Horney skizzierten Auswirkungen des weiblichen Neids allerdings erscheinen etwas zu einseitig und zu pessimistisch. Sie sieht nur die gegen den Mann gerichteten Auswirkungen und kolportiert auf diese Weise ein Frauenbild, dem viele Männer zustimmen werden, wenn sie an die unzufriedene Ehefrau in den eignen vier Wänden denken. Außen vor bleibt in Horneys Darstellung, dass Frauen durchaus andere Wege gehen, ihren Neid zu bewältigen – kreative, herausfordernde Wege. Diese suchen die Frauen auch ganz deutlich nicht gegen den Mann, sondern für sich.

Horney unterschätzt damit die Motivation der Frauen, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen – und anzufangen, sich zu nehmen, was ihnen zusteht, ohne länger um Erlaubnis zu bitten. Das verläuft nicht konfliktfrei, denn keine Frau erwartet, dass jemand, der so lange von einem Besitzstand profitiert hat, diesen freiwillig herzugeben bereit ist. Frauenquoten, Frauenbeauftragte und Frauenförderprogramme gehören genau aus diesem Grund zu den gesellschaftlichen Mitteln, die systematische Benachteiligung abzubauen.

Horney, K.: Die Psychologie der Frau, Frankfurt/M.: Fischer 1984

Neid in Partnerschaften: Literatur

Weiblicher Neid auf Männer

Teil 1: Neid und Konkurrenz bei Paaren

Teil 28: Neid zwischen den Geschlechtern
Teil 29: Wie umgehen mit den neuen Lebenswirklichkeiten in Partnerschaften?
Teil 30: Männlicher Neid auf Frauen
Teil 31: Gebärneid – Frauen können Leben geben
Teil 32: Sexuelle Macht und sexuelle Potenz
Teil 33: Weibliche Kommunikationskultur, Sozialkompetenz, Bindungsfähigkeit

Die Geschichte des weiblichen Neids auf den Mann beginnt mit dem so genannten Penisneid: Das kleine Mädchen beginnt im Alter von etwa zwei, drei Jahren seinen Körper bewusst zu entdecken und dabei geschlechtsspezifisch wahrzunehmen. Das Mädchen stellt fest, durch Vergleich mit dem Vater, dem Bruder oder anderen männlichen Bezugspersonen, dass ihm ein wesentlicher Körperteil fehlt. Aus dieser Beobachtung nun schließt das Mädchen auf einen Mangel, fühlt sich zurückgesetzt und zu kurz gekommen – und empfindet Neid.

So weit die Theorie und die damit verbundene Unterstellung. Für den Erfinder des Penisneids, Sigmund Freud, mag die psychosexuelle Entwicklung des Mädchens so abgelaufen sein – und es finden sich bestimmt auch noch heute einige (wenige) Mädchen, bei denen Erkenntnis, keinen Penis zu haben, zu psychischen Verwerfungen führt. Doch aus heutiger Sicht spiegelt sich im Freudschen Gedankengang jener Blick auf die Welt, welcher den Mann zum Zentrum hat: „Wäre ich eine Frau, dann wäre ich neidisch darauf, keinen Penis zu haben.“ Freud erkennt im Laufe seines Lebens selbst, dass ihm die Frau der „dunkle Kontinent“ geblieben ist, der sich ihm nicht erschließt. Er hat ihren

Körper und ihre Sexualität nur als etwas begreifen können, dem es an etwas mangelt. Er hat es nicht verstanden, den eigenen männlichen Horizont zu überwinden.

Doch sosehr Freud seiner Zeit voraus war, sosehr ist er auch ein Gefangener seiner Zeit und der bürgerlichen Normen geblieben, die Anfang des 19. Jahrhunderts herrschten. Und die postulierten die gesetzmäßige Überlegenheit des Mannes über die Frau. Der Mythos von der Erschaffung Evas aus Adams Rippe fand hier seinen gesellschaftlichen Ausdruck.

Teil 35: Neidisch auf die gesellschaftliche Macht der Männer?

Neid in Partnerschaften: Literatur