Schulreform in Hamburg – was bleibt?

Ein bisschen wehmütig bin ich doch wegen der verpassten Chance für mehr Gemeinsamkeit in den ersten sechs Schuljahren. Auch wenn ich darüber in meiner ersten Reaktion am Sonntag hinweg gegangen bin.

Und mein Kopfschütteln über die tief verwurzelten und weit verbreiteten Ängste der Eltern aus den Gut- bis Bestensverdienermilieus hält an: Angst vor Abstieg der eigenen Kinder, Angst vor Veränderung, Angst vor Entwicklung, Angst vor Konkurrenz, wenn Bedürftige besser gefördert werden.

Dennoch bleiben vom neuen Schulgesetz ein paar wichtige Neuerungen. Und die haben es nicht minder in sich, wenn Sie gut umgesetzt werden – und könnten dem Hamburger Schulwesen durchaus ein neues Gesicht verpassen, auch ohne das Aushängeschild Primarschule und dem längeren gemeinsamen Lernen. Wir werden sehen, ob die Reformbefürworter, die es ja in den gut situierteren Stadtteilen auch gab, nun ihre Kinder auf den Stadtteilschulen Abitur machen lassen…

Was also bleibt (laut Massnahmenkatalog der Schulbehörde)?

- Haupt-, Real- und Gesamtschulen werden zu Stadtteilschulen zusammengeführt
- kleinere Klassen (maximal 23 Köpfe, in manchen Stadtteilen nur 19)
- mehr Lehrkräfte werden eingestellt
- Lehrkräfte sollen verstärkt in Teams arbeiten
- ein Lehrerfortbildungsprogramm soll die Lehrkräfte besser befähigen, Unterrichtsmethoden wie Gruppenarbeit, Lernwerkstätten, Wochenpläne anwenden zu können
- ein verbindliches Gespräch in jedem Schulhalbjahr über den Leistungsstand der Kinder, das alle drei Seiten (Lehrkräfte, Eltern, Kinder) einbezieht
- keine Wiederholung von Klassen
- Kinder mit Behinderungen können eine allgemeine Schule besuchen

Wenn all die Maßnahmen umgesetzt werden und fruchten, besteht durchaus Hoffnung, dass meine Kinder (im Moment erst 2 und 4 Jahre alt) von einem verbesserten Schulsystem profitieren. Und wie gesagt: In den Stadtteilschulen können die Schülerinnen und Schüler, wenn es denn sein soll, 13 Jahre gemeinsam lernen!

Wie die Schulbehörde Ihrer eigene Kampagne vertreten sehen will, ist in diesem Ausschreibungstext (PDF) nachzulesen, der ebenfalls noch einmal die Eckpunkte und Ziele der Reform zusammenfasst.

Schulreform in Hamburg gescheitert

Leider ist der Versuch gescheitert, in Hamburg eine sechsjährige, gemeinsame Grundschule einzuführen. Die Initiative gegen die Schulreform “Wir wollen lernen” hat sich durchgesetzt und das nötige Quorum von mindestens 247000 Stimmen erreicht.

Gratulation!

Ich habe mich zwar für die Primarschule ausgesprochen, aber ich nehme das Ergebnis sportlich. Es gibt so oder so ziemlich viel zu tun, die Qualität der Hamburger Schulen zu verbessern, egal ob mit einer vier- oder einer sechsjährigen Grundschule. Ich glaube schon gar nicht, wohl und wehe unserer Kinder hinge von der Schulstruktur ab. Viel wichtiger sind die Lehrerinnen und Lehrer – und was die daraus machen. Leider scheinen nur deren wenige den Schülerinnen und Schülern, so wie sie nun mal sind, dauerhaft gerecht zu werden. Deswegen: Das Defizit liegt nicht so sehr in der Struktur als vielmehr in der Ausbildung der Lehrkräfte.

Die Bezahlung tut noch das Übrige: Je jünger die Kinder, desto schlechter die Gehälter. Am miesesten werden die Leute in der Krippe vergütet, obwohl wir hier in Hamburg schon heute 400 Euro für einen Krippenplatz bezahlen. Dann kommen die schlecht bezahlten Grundschullehrerinnen, dann die privilegierten Gymnasialkräfte. Kein Wunder, dass sich jene Männer und Frauen, die eine Chance für sich sehen, in die höheren Gehaltsklassen zu kommen, die Krippen, Kitas und Grundschulen links liegen lassen und eben ans Gymnasium gehen. Für die Allerkleinsten bleiben all die anderen, denen der Zugang zu höherer (Aus)-Bildung verschlossen ist.

So finanz- und ausbildungshierarchisch aufgestellt ist das deutsche Bildungssystem – und daran hätte auch eine Primarschule nullkommanix geändert. Also: So richtig gibt es keinen Grund, ihr eine Träne nachzuweinen.

Pro Schulreform Hamburg

Bei allen Schwierigkeiten, die uns Eltern mit der Schulreform in Zukunft erwarten, bei all der organisatorisch-logistischen Herausforderung, die damit verbunden ist: Eine Weiterentwicklung des Schulsystems ist dringend geboten, inkl. des längeren gemeinsamen Lernens.

Heute in zwei Monaten ist der Tag der Entscheidung!

Hier ein paar Links zu den Pro-Schulreform-Kampagnen:

Behörde für Schule und Berufsbildung
PRO Schulreform Hamburg e.V.
Chancen für alle – Hamburger Allianz für Bildung e. V. – Die Schulverbesserer

Spontanheilung beim Kind

Als Angestellter im Gesundheitswesen weiß ich wie wichtig es ist, möglichst jeden offiziellen Arztkontakt zu vermeiden – aus finanziellen Gründen für die Solidargemeinschaft und aus gesundheitlichen Gründen für den eigenen Körper. Denn wo viel untersucht wird, wird naturgemäß auch viel Krankheit gefunden. Und das ist nicht in meinem Interesse.

Der jüngere meiner Söhne (2 Jahre alt) hat dieses Prinzip wohl bereits verinnerlicht: Er stürzte gestern mit dem Laufrad, fuhr damit noch nach Hause. Allerdings benutzte er beim Abendessen seinen linken Arm nicht mehr. Auch nach Aufforderung wollte er ihn nicht heben, sich nicht damit abstützen, etc. Als er heute morgen aufwachte, lag der Arm noch immer schlaff neben ihm.

Ausgekugelt? Verrenkt? Verstaucht?

Zunächst schüttelte er den Kopf als ich ihn bat, den Arm zu heben. Er schüttelte auch den Kopf, als ich ihn fragte, ob ihm etwas weh täte. Dann kam mir die rettende Idee: “Dann müssen wir eben zur Ärztin, Frau R., gehen, wenn du den Arm nicht bewegen kannst.”

Er guckte kurz und streckte dann ohne weiteres Zögern den Arm in die Höhe. Seitdem sind keine weiteren Beschwerden augenfällig geworden.

Volksentscheid Primarschule Hamburg

Ich unterstütze “Die Schulverbesserer”, eine Initiative, das sechsjährige gemeinsame Lernen an den Hamburger Schulen zu etablieren. Gegen die Unvernunft, die Kontaktangst und den Elitenwahn der Schulseparatisten von “Wir wollen lernen”!

Hallo, besserverdienende Familie P. in Hamburg,

betroffen, ja, erschüttert habe ich heute in der Mopo Ihren herzerweichenden Bericht gelesen, im dem Sie trotz 4700 Euro netto im Monat (inkl. Kindergeld) mit dem aufwühlenden Satz zitiert werden, den Sie sogar in einen Brief an Ole von Beust geschrieben haben: “Schon jetzt gehen wir jeden Monat an unser Erspartes.”

Ja mei, Familie P., wollen Sie nicht einen Termin mit Peter Zwegat (RTL) vereinbaren? Allerdings glaube ich, Psychotherapie wäre angemessener. (Fern)-Diagnose: Selbstsucht, Verarmungswahn, seelisch-moralische Unreife.

Ich habe mir die Augen gerieben und mir Fragen gestellt:
1) Sind Sie noch ganz bei Trost, sich öffentlich auf so peinliche Weise selbst darzustellen?
2) Will die Mopo auf diese Weise den Protest gegen die Gebührenerhöhung des Schwarz-Grünen Senats sabotieren?
3) Haben Sie Geld gekriegt für das, was Sie dort von sich geben?
4) Sind Sie wirklich so unfähig, mit dem Haufen Kohle umzugehen, den Sie Monat für Monat vor sich liegen haben?
5) Sind Sie politisch wirklich so verspult, dass Sie sich nicht entblöden, mit Ihrem eigenen Portemonnaie zu argumentieren?

Hier geht es doch nicht um Ihr Einkommen. Herr Wersich hat sich auf die Schenkel geklopft, heute morgen, nachdem dieser Bericht auf seinem Tisch lag. Wer, wenn nicht Sie, ist denn in der Lage, eine deftige Gebührenerhöhung zu verkraften?

Haben Sie nicht verstanden, dass sich der Protest gegen die dahinter stehende Politik richtet? Gegen das Ausgeben von Geld ohne Sinn und Verstand und das Einsammeln bei denen, die es sich eben leisten können? Ohne dass unsere Kinder etwas davon haben? Ohne dass die Kita-Betreuerinnen zu einer Lohnerhöhung von 27% kommen, die die meisten von ihnen durchaus verdient hätten? Ohne dass der Senat Vorschläge unterbreitet bzw. Ideen entwickelt, an welchen Stellen Projekte komplett gestrichen werden und die dafür eingeplanten Haushaltsmittel umgewidmet werden könnten. In welcher Blase leben Sie eigentlich?

Ist Ihnen Ihre Einlassung in der Mopo heute nicht inzwischen selber peinlich?

Fragt sich, hoffnungsfroh, der Zettmann.

Protest gegen Kitapolitik von Schwarz-Grün in Hamburg

Seit der Schwarz-Grüne Senat in Hamburg vor wenigen Tagen beschlossen hat, die Kita-Gebühren drastisch zu erhöhen, formiert sich Widerstand in der Stadt.

Eine Facebook-Gruppe hat inzwischen fast 2000 Mitglieder – und es scheint so zu sein, als würden sich auch Leute ohne Kinder (endlich!) gegen eine Politik zur Wehr setzen, die mit der linken Hand das Geld zum Fenster rausschmeißt, was sie den Menschen mit der rechten Hand aus der Tasche zieht.

Für den kommenden Montag, den 26.04.2010, 17 Uhr, ruft die Kita-Protest-Ini zu einer Demo auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz (Innenstadt) auf.

Vätermonate ausweiten?

Familienministerin Kristina Schröder will die Ausweitung der Vätermonate – und die Kommentare überschlagen sich: Die Familienministerin wird gelobt für ihren mutigen Schritt, endlich den Erfolg des Elterngeldes zu nutzen, um weitere Maßnahmen umzusetzen. Die Väterfreunde unter den Bloggern und manche Zeitungsredaktion (bspw. die TAZ) sehen den richtigen Ansatz in der Ausweitung der Vätermonate.

Ich reibe mir irritiert die Augen. Wie? Vätermonate erweitern? Von zwei auf vier?

Das könnte jeder Vater doch heute schon, wenn er will – und wenn die Mutter des Kindes es “erlaubt”. Es steht ja in keinem Gesetz, dass die väterliche Elternzeit gegenwärtig auf zwei Monate zu beschränken sei. Vier, sechs, acht Monate – heute schon alles drin.

Mit welcher Selbstverständlichkeit gehen denn die Verhaltensmotivatoren im Ministerium und in den Redaktionen davon aus, dass die bisherige Regelung besagt: Das erste Jahr bleibt die Frau zuhause und dann hängt der Papa nochmal zwei Monate dran. Wer will hier die klassisches Rollenaufteilung zementieren? Und, schlimmer noch: Selbst wenn die Männer vielleicht statt zwei jetzt vier Monate daheim blieben, um das Kind zu (mit)zubetreuen – im familiären Alltag stellt sich die Verteilung der Pflichten und Aufgaben oft so dar: Beide sorgen für das Einkommen. Sie sorgt für den Haushalt. Er bringt den Müll runter.

Wenn also die Familienministerin die Steuerungswirkung des Elterngeldes verbessern will, braucht sie einfach nur ins Gesetz zu schreiben: Ab sofort gibt es nur Geld für die gesamte Elterngeldzeit, wenn ein Elternteil mindestens vier Monate Elternzeit nimmt und der andere den Rest. Danach wird die Zahl der Väter, die vier Monate Elternzeit nehmen, deutlich steigen. Die Maßnahme könnte dann als weiterer Erfolg gefeiert werden, die Väter in die Kinderbetreuung einzubinden.

Und Finanzminister Schäuble hätte nix dagegen…

Kindliches Sprachspiel 16

Lange nichts geschrieben von der kindlichen Sprachentwicklung. Immer nur Politik und Stasi und viel Sendepause…

Damals erschienen solche Einträge:
Kindliches Sprachspiel 15
Kindliches Sprachspiel 14
Kindliches Sprachspiel 13
Kindliches Sprachspiel 12
Kindliches Sprachspiel 11

usw.

Heute trage ich mal wieder einen Dialog mit dem inzwischen knapp Vierjährigen vor:
“Papa, ist Skoda die Tochter von VW?”
“Ja.”
“Und wer ist dann der Papa?”
Hm.
Ein paar Sekunden später, die Sache beschäftigt ihn immer noch: “Und wer ist die Mama von VW?”

Ja, wer eigentlich?

Kita-Protest innovativ, Osterstraße, HH-Eimsbüttel

Ein Hingucker zum Kita-Protest. Als Ankündigung für die Kundgebung von KIta-Angestellten und Eltern am 08.07.09 auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Gefunden an der Ecke Osterstraße / Heussweg:

Innovative Ankündigung Kita-Protest
Innovative Ankündigung Kita-Protest