Fuck off, Halloween!

In den letzten Jahren habe ich eine veritable Allergie gegen Süßigkeiten-bettelnde, klingel-rutschend-marodierende Kinder bekommen, die Halloween ausnutzen, ihren sowieso übermäßigen Zuckerkonsum weiter zu erhöhen – und zwar ohne Gegenleistung!

Einfach im Schreckgespenstkostüm an der Tür stehen, Sturm klingeln und die Hand aufhalten. Nicht nur, dass diese Kinder einen belästigen, wenn sie bis 20 Uhr abends auf die Türklingel drücken – sie versetzen auch noch den Zweieinhalbjährigen in Angst, der sich ängstlich, mit massiv erhöhter Herzschlagfrequenz, an mich drückt und wissen will, was all diese Gestalten vor der Tür wollen und warum sie an unserer Wohnungstür herumlärmen.

Allein der Erpresser-Spruch “Süßes, sonst gibt’s Saures”, geht mir so gegen den Strich, dass ich die Kinderhorden am liebsten eigenhändig die Treppe runterstürzen würde. Zum Glück steht dem meine hart arbeitende Impulskontrolle im Wege. Welche bescheuerten und verantwortungslosen Eltern bringen ihren Kindern diesen Schwachsinn bei? Welche Eltern lassen es ihren Sprößlingen durchgehen, wildfremde Menschen am Sonntag Abend zu nötigen, ihnen Süßigkeiten rauszurücken?

Zu befürchten ist nämlich, ein Teil dieser Halloween-Hooligans findet Gefallen an solcherart Erpressung – und macht daraus ein Geschäftsmodell (auf dem Schulhof, in der Seitenstraße, auf dem Spielplatz). Oder aber sie werden sowieso von Leuten geschickt, die wissen, wie das Schutzgeldgeschäft funktioniert, und die dem Nachwuchs (spielerisch, versteht sich) die Chance geben wollen, eigene Erfahrungen zu sammeln…

Spontanheilung beim Kind

Als Angestellter im Gesundheitswesen weiß ich wie wichtig es ist, möglichst jeden offiziellen Arztkontakt zu vermeiden – aus finanziellen Gründen für die Solidargemeinschaft und aus gesundheitlichen Gründen für den eigenen Körper. Denn wo viel untersucht wird, wird naturgemäß auch viel Krankheit gefunden. Und das ist nicht in meinem Interesse.

Der jüngere meiner Söhne (2 Jahre alt) hat dieses Prinzip wohl bereits verinnerlicht: Er stürzte gestern mit dem Laufrad, fuhr damit noch nach Hause. Allerdings benutzte er beim Abendessen seinen linken Arm nicht mehr. Auch nach Aufforderung wollte er ihn nicht heben, sich nicht damit abstützen, etc. Als er heute morgen aufwachte, lag der Arm noch immer schlaff neben ihm.

Ausgekugelt? Verrenkt? Verstaucht?

Zunächst schüttelte er den Kopf als ich ihn bat, den Arm zu heben. Er schüttelte auch den Kopf, als ich ihn fragte, ob ihm etwas weh täte. Dann kam mir die rettende Idee: “Dann müssen wir eben zur Ärztin, Frau R., gehen, wenn du den Arm nicht bewegen kannst.”

Er guckte kurz und streckte dann ohne weiteres Zögern den Arm in die Höhe. Seitdem sind keine weiteren Beschwerden augenfällig geworden.

Vätermonate ausweiten?

Familienministerin Kristina Schröder will die Ausweitung der Vätermonate – und die Kommentare überschlagen sich: Die Familienministerin wird gelobt für ihren mutigen Schritt, endlich den Erfolg des Elterngeldes zu nutzen, um weitere Maßnahmen umzusetzen. Die Väterfreunde unter den Bloggern und manche Zeitungsredaktion (bspw. die TAZ) sehen den richtigen Ansatz in der Ausweitung der Vätermonate.

Ich reibe mir irritiert die Augen. Wie? Vätermonate erweitern? Von zwei auf vier?

Das könnte jeder Vater doch heute schon, wenn er will – und wenn die Mutter des Kindes es “erlaubt”. Es steht ja in keinem Gesetz, dass die väterliche Elternzeit gegenwärtig auf zwei Monate zu beschränken sei. Vier, sechs, acht Monate – heute schon alles drin.

Mit welcher Selbstverständlichkeit gehen denn die Verhaltensmotivatoren im Ministerium und in den Redaktionen davon aus, dass die bisherige Regelung besagt: Das erste Jahr bleibt die Frau zuhause und dann hängt der Papa nochmal zwei Monate dran. Wer will hier die klassisches Rollenaufteilung zementieren? Und, schlimmer noch: Selbst wenn die Männer vielleicht statt zwei jetzt vier Monate daheim blieben, um das Kind zu (mit)zubetreuen – im familiären Alltag stellt sich die Verteilung der Pflichten und Aufgaben oft so dar: Beide sorgen für das Einkommen. Sie sorgt für den Haushalt. Er bringt den Müll runter.

Wenn also die Familienministerin die Steuerungswirkung des Elterngeldes verbessern will, braucht sie einfach nur ins Gesetz zu schreiben: Ab sofort gibt es nur Geld für die gesamte Elterngeldzeit, wenn ein Elternteil mindestens vier Monate Elternzeit nimmt und der andere den Rest. Danach wird die Zahl der Väter, die vier Monate Elternzeit nehmen, deutlich steigen. Die Maßnahme könnte dann als weiterer Erfolg gefeiert werden, die Väter in die Kinderbetreuung einzubinden.

Und Finanzminister Schäuble hätte nix dagegen…

Kita-Protest innovativ, Osterstraße, HH-Eimsbüttel

Ein Hingucker zum Kita-Protest. Als Ankündigung für die Kundgebung von KIta-Angestellten und Eltern am 08.07.09 auf dem Gänsemarkt in Hamburg. Gefunden an der Ecke Osterstraße / Heussweg:

Innovative Ankündigung Kita-Protest
Innovative Ankündigung Kita-Protest

Streik der Kita-Angestellten

Endlich, kann ich da nur sagen: Endlich legen Kita-Angestellte mal die Arbeit nieder – und lassen es sich nicht länger gefallen, wie herablassend sie von Politik und Gesellschaft behandelt werden. Einerseits wächst der Bedarf an qualifiziertem Personal, gerade mit dem beschlossenen Ausbau der Kitas und Krippen bis 2013. Andererseits wird das Personal durch das Vergütungssystem nachgerade verhöhnt.

Wie die Bundesländer und Kommunen diese Berufsgruppen entlohnen, zeigt, wie gering sie deren Arbeit schätzen. Alles Gerede über Qualifikation des Personals, Bedeutsamkeit für die frühkindliche Entwicklung, Ausbau der Betreuungskapazitäten ist völlig hohl, wenn unterm Strich der Eindruck bleibt: Hier wird per Gehaltsscheck ein Kulturkampf geführt!

Entlohnt das Personal schlecht, um keine Anreize zu schaffen, dass mehr Leute diesen beruflichen Weg wählen (Männer!!). Behandelt sie herablassend (Das kann ja im Grunde genommen jede Frau!), um deutlich zu machen, öffentliche Kinderbetreuung ist allenfalls ein Notbehelf, wenn eben die Eltern gar nicht anders können, als die Kinder beim Staat in Verwahrung zu geben.

Also Streikende: Viel Erfolg!

PS.: Nicht ausbleiben wird dann auch der Versuch, an der Gebührenschraube zu drehen. Doch dazu könnten sich ja dann auch die Eltern zu Wort melden…

wenn das kind krank ist…

mein sohn wird demnächst ein jahr alt. wenn er krank ist, beschwerden meldet, nörgelig und nölig ist, bin ich zunächst mal verunsichert. wie schlecht geht es einem kind, wenn es ihm schlecht geht? was darf ich dann noch von ihm erwarten?

die frage stellt sich mir selbst im krankheitsfall genauso. was kann ich noch leisten, wenn körper, seele und geist nicht im normalbetrieb arbeiten? und was ist bitteschön normalbetrieb? und was erwarte ich dann von mir?

was passiert konkret? sein verhalten verändert sich (er wird anhänglicher, gibt mehr beschwerende laute von sich, wimmert und stöhnt, ist kaum mittels grimassen oder gesang abzulenken). um nun der situation angemessen auf ihn reagieren zu können, muss ich auch mein eigenes verhalten verändern. dabei werde ich mit meinen konzepten von krankheit und gesundheit konfrontiert: wie viel mitgefühl, wie viel verständnis, wie viel aufmerksamkeit bringe ich einem kranken gegenüber auf? wie schwer fällt es mir zu akzeptieren, dass der normalbetrieb durch krankheit unterbrochen wird? wie gut kann ich selber mit der krankenrolle umgehen, wenn ich krank bin?

fragen über fragen.
inzwischen hat das kind die erkältung hinter sich. die zahnungsbeschwerden dagegen bleiben ihm vorerst erhalten. genauso wie mir die unruhigeren nächte…