Mein kleiner Gesell (2007)

Mein kleiner Gesell,
du hast es nicht leicht,
die Unbill ist hart,
die hienieden dich eicht.

Meist läuft die Nase,
mal schmerzt das Ohr,
dann tränt mal das Auge,
garnichts schützt dich davor.

Es schwirren die Keime,
so durch dich hindurch,
mal bist du erhitzt,
mal so kalt wie ein Lurch.

Bald geht es dir besser,
das seh ich genau,
du killst die Keime,
– leider sind die sehr schlau…

Sie tarnen sich frisch,
sind nicht zu belehren,
dein Körper muss üben,
sich ihrer zu wehren.

So zeigt dir die Unbill,
ihren garstigen Schlund.
Lehn’ Köpfchen an mich,
– und dann schlaf dich gesund!

It’s only Rock’n’Roll (Für J. – 1997)

We went from Kashmir to
In-a-Gadda-Davida
But My Generation
Couldn’t Get No Satisfaction.
Helpless
Further On Up The Road…

Never Mind The Bullocks
But didn´t u Wish U Were Here
All down The Long And Winding Road
Just to do it Your Way?

But as we returned from Nowhere Land
Magical Mystery Tours
Showed u that Happiness is a Warm Gun.
Because,
She´s like a Rainbow,
She Loves You,
A Sweet Child in Time.

As u Saw Her Standing There,
Did u do the Wilbury Twist
For this Foxy Lady?

She was Sailing
maybe Blowing her Answer in the Wind…
But as the Lamb Laid Down on Broadway
Brown Sugar
Broke The Wall
And She Was Hot saying
Too Old To Rock´n´Roll To Young To Die,
I am a Bitch
I am a Hellraiser
I am a Stargazer
and wish to have Breakfast in America
after Schools Out
In the Night They Drive Old Dixie Down.

Helter Skelter.
Merry Christmas.
Happy Birthday.

am schreibtisch (2001)

jetzt sitz ich hier wieder
und quäle mich rum,
ich zähle die zahlen,
und denk dideldum,
was mach ich jetzt bloß
mit all diesem mist,
den zahlen, effekten,
den größen, den gruppen,
mir fällt aus den haaren,
ich sehe es, schuppen.

jetzt sitz ich hier rum,
ich quäle mich ab,
der chef weiter unten,
der hält mich auf trab.
ich lese artíkel,
ich such eine list,
zu sehen das ganze, große,
warum ich hier forsche,
zu verbessern die basis,
die leidiglich morsche.

jetzt sitz ich hier wieder
und seh mich verzagt,
mich quält dieser anspruch,
der stets an mir nagt,
ich wühl in den zahlen,
das leben ist trist,
die wissenschaft sträubt sich,
bleibt ganz ohne gnade,
das macht mir zu schaffen –
und ich find das schade.

Der Dichter – A Miniplay (1997)

“Ich kann dichten!”, ruft der Poet
ganz unerschrocken.
“Das hilft mir vielleicht morgen,
beim fröhlichen Zocken.”

Er verliert und verliert, aber er präsentiert
ungerührt seine Flocken.
“Jetzt kommt schon raus,
sonst gerät uns der Spielfluß ins Stocken.”
Als er ganz endgültig blank ist,
stellt er fest, dass mit Dichten,
hier nichts zu holen ist,
bei diesen Wichten…

“Ich kann dichten”,
sprudelt der Dichter naßforsch,
als es Zeit war zu richten.
“Nun”, hub Gott an, “dann beschreibe uns, Mann,
wie du vorsiehst zu lichten,
das Dickicht der Geschichten.

“Ich nehme ein Blatt”,
sprach Dichterherz satt,
“und beginne Worte zu schichten.”

“Und wie willst du leben mit all den Gewichten?”

“Es hüpft mir das Herz vor Vergnügen und Gier,
dir zu erzählen noch vielmehr von mir.
Doch wie das so ist mit den Geschichten
erwachsen sie täglich – wie auch die Nichten.
Was ist denn nun jetzt mit dem Richten?”

“Du scheinst mir ein Narr,
willkommen daheim,
sonst kommt hier nicht mal der Teufel rein.
Doch nach all dem Gelaber
muß ich ich mich entpflichten –
die Sorgen, sich Kümmern,
wer sonst solls verrichten?”

“Ich kann dichten”, dachte der Dichter
immer noch locker.
“Gott hat die Arbeit –
und ich bleib der Zocker.”

Mein Daypack (2002)

Ich trage mein Daypack
durch Nebel und Wind,
durch Sonne und Regen,
immer bin ich geschwind
dabei mich zu stärken,
denn die Wanderschaft
lässt mich deutlicher merken,
dass die Zeit an mir nagt,
auch wenn es behagt,
fast so frei wie ein Vogel
durch das Leben zu schwingen,
eine Blume zu pflücken,
manchmal lauthals zu singen,
und dem Wunsche zu folgen,
sich dem Leben zu geben,
es zu leben,
wie es kommt,
denn es geht auch daneben,
wenn ich strauchle im Schritt,
es mich bringt aus dem Tritt,
weil das Daypack zu schwer wird,
mich die Last zu sehr beugt,
und ich mich dann frage,
wieso nur verdammt nochmal,
mich dies Leben so freut.

und wenn ich mal gross bin… (1997)

und wenn ich mal groß bin,
ich sags euch jetzt allen,
werd ich euch nie mehr tun den gefallen,
euch abzukaufen jeden scheiß.

heut bin ich klein und schwach
und unglaublich trotzig,
doch wenn ich erst groß bin,
dann werde ich rotzig.

dann nehm ich euch ran,
mit großem elan
zu fragen euch heftig,
was ihr habt getan.

und dann will ich hören,
die geschichten zum schwören,
die ihr uns hier auftischt,
uns unwissenden gören.

dann schlag ich zurück,
und zerreiße am stück,
was bleibt von dem leben
sowieso ohne glück.

und wenn ich mal groß bin,
ihr werdets euch merken,
dann komm ich,
und werde euch drohen,
euch zwergen.

und wenn ich mal groß bin,
dann werde ich lachen,
nur um in euch weitere
pein zu entfachen.

ihr werdet winseln,
ihr werdet betteln,
zuerst nur die reichen,
und dann auch die vetteln.

doch ich lache weiter,
tief hinein in die wunde,
damit ihr bereut,
und euch schämt jede stunde.

und weil ich sonst nett bin,
gänzlich ohne verdruss,
geb ich euch den rat,
hört bald auf mit dem stuss.

All unser Streben (1997)

All unser Streben,
den Wohlstand zu heben,
führt uns vorbei
am richtigen Leben.

Wir sehnen uns flüchtig,
wir urlauben tüchtig,
und wenns uns gefällt,
dann werden wir süchtig.

Wir sind so getrieben
vom äußeren Schieben,
daß niemals wir fragen,
was ist denn geblieben?

Nun brechen wir ein,
ganz erbärmlich allein,
und erkennen verwirrt
wie verblendend der Schein.

Nach all unserm Prassen,
müssen wir passen,
und folgern daraus,
den Schwarzen zu hassen.

Mitten im Strudel,
reicht uns kein Sprudel,
zu löschen die Feuer,
die wir zünden als Rudel.

Verfallend in Starre
spielen wir mit der Knarre,
doch der Lauf wird nicht ziehen,
die Deichsel der Karre…

All unser Streben,
den Wohlstand zu heben,
macht uns unfrei, gefährlich
und ganz schön daneben.

Die Arbeit (1997)

Die Arbeit, das ist sonnenklar,
schmeckt uns Deutschen wunderbar.

Nur allzu häufig trauern wir,
ist sie erstmal verloren,
als wären wir, verdammt nochmal,
zum Arbeiten geboren.

So lange die Knechtschaft zum Benz hinreicht,
da sagt sich der Knecht: “Ach was, ich nehms leicht.”

Wird er nun verschoben zu früh auf die Halde,
dräuts ihm nun an, rufts aus dem Walde:
“Heute der Benz und morgen die Pacht.
Glücklich nur jene, die an der Macht.”

So zwingen wir uns, die Knechtschaft zu lieben,
und müssen vergessen, wie es ist, mit den Trieben.

Beseelt solln wir sein, so steht es geschrieben,
und gehts um Seele dann, heißts fesch: “Wir arbeiten dran.”

Wenn wir doch nur bemühten sie,
Träume, Sehnsucht, Phantasie,
fänden wir bald die Lichtung im Wald.

Nicht Arbeit, scheint es, sonderbar,
ist, was wir brauchen, leuchtend, klar:
wir sollten entwickeln ein prallvolles Innen,
das uns ermöglicht, mehr zu ersinnen:
Ideen, Orientierung, Bestreben, Gelingen.

Wenn das Außen so wegbricht, so ungnädig doll.
erfinden wir eben, wies weitergehn soll –
mit uns, der Arbeit, dem Land und der Welt.

Die Zukunft kommt immer, so oder so,
mit Arbeit kaum schlimmer als ohnehin so.
Den drängenden Vers, den end ich nun hier,
weil die Arbeit getan, geh ich auf ein Bier… :-))

Mein Land (1997)

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Denk ich an Deutschland in der Früh,
Vergebens ist die Liebesmüh.

Denk ich an Deutschland gegen eins,
Kocht Abwehr hoch: Das ist nicht meins.

Denk ich an Deutschland dann um vier,
setzt Panik ein: VERLASSE HIER.

Denk ich an Deutschland Stund um Stund,
dreht alles hohl, schließt sich der Mund.

So denk ich an mein Land, alltag,
Zu denken gibts mir hier, in Prag.

Mehr Gedichte…

Nach den Gefühlslagen aus den 2000er Jahren in den vergangenen Tagen geht’s morgen mit einer Folge von Gedichten aus dem Jahr 1997 weiter. Ich nenne sie “Die Welt, das Ich und der Sinn des Lebens”.

Irgendwie muss ich da eine heftige Sturm- und Drang-Zeit hinter mich gebracht haben…

Eröffnet werden diese Gefühlslagen des Individuums mit einem Plagiat, Verzeihung, einem Zitat, entlehnt bei Heinrich Heines “Nachtgedanken”: Denk ich an Deutschland in der Nacht…