alejandro gonzález iñárritu: babel

der film ist ein versatzstück-baukasten.

autor arriaga und regisseur iñàrritu verklöppeln versatzstücke mit wiedererkennungswert für den globalen mainstream-kinozuschauer (reisen, terror, behinderung, migration) – zu einer mächtigen bilderflut, mal video-ästhetisch rasant geschnitten, mal gemächlich im kammerton komponiert.

der plot: eine amerikanische touristin (cate blanchett) wird in marokko zufällig opfer eines gewehrkugeltreffers, abgefeuert von einem hirtenjungen, der mit seinem bruder in einen kindlichen konkurrenzkampf verstrickt ist. während der ehemann verzweifelt (ganz schlecht: brad pitt) um die rettung seiner frau ringt, ergeben sich globale verwicklungen…

der regisseur versucht, mit dem werk einem vermeintlichen algorithmus des idealen films näher zu kommen. leider bestimmt das formelhafte den verlauf. dem film fehlt das herz, die wärme, die möglichkeit, sich zu identifizieren. figuren und geschichten sind genauso austauschbar wie die orte und landschaften, vielleicht abgesehen von der tragik der beiden brüder in marokko und der verzweiflung des taubstummen mädchens in japan.

lose enden und mäandernde stränge wirken willkürlich miteinander verflochten. nichts in dieser geschichte ist wirklich zwingend. jeder mensch könnte sich in diesem rahmen noch zwanzig andere verläufe ausdenken, die ähnlich plausibel sein könnten.

interessant auch, dass vor dem film zwei spots laufen, die genau dem globalisierungsprinzip und vor allem der globalisierungsästhetik der iñárritu-bilder folgen: eine schnell geschnittene sequenz mit menschen aus verschiedenen lebenszusammenhängen rund um den globus, t-home. und die geschichte der-koffer-geht-verloren-ohne-dass-der-besitzer-es-merkt von rimowa.

ein groß gemeinter wurf, dem es zu einem großen, einem exzellenten film nicht reicht, weil er nähe, weil er starke gefühle als bauteile, module, als programmschleifen verwendet, die sich dem optimierungsanspruch des regisseurs unterzuordnen haben. schade.

in der süddeutschen las ich sinngemäß: der regisseur hat viel zu erzählen, aber nichts zu sagen. und dennoch gabs den golden globe…

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