Kindliches Sprachspiel 12

Beispiele für die Fragen, denen ich mich täglich dutzendfach zu stellen habe, wenn ich mit meinem Sohn (2 Jahre, 4 Monate) durch die Straßen laufe oder fahre – oder an der Fensterbank stehe, um Zähne zu putzen:

Was macht der Mann/die Frau? (Dabei erkennt er selber, was die Leute tun! Meistens.)
Wie heißt der Mann/die Frau?
Wo wohnt der Mann/die Frau?
Wo fährt das Auto/der Bus/die S-Bahn/die U-Bahn hin?
Wo fliegt das Flugzeug hin?

Auf eine, meist frei erfundene Antwort folgt regelhaft das kindliche Standardfragewort: Warum?

Und dann ist richtig Kreativität gefragt! Was soll ich auch sagen, wenn das Kind wissen will, warum der Bus nach Altona fährt? Immerhin kommen auf diese Weise frei assoziierende, unterhaltsame Dialoge zustande, etwa derart:

Er: “Was macht der Mann?”
Ich: “Das siehst du doch. Er steigt aus dem Auto aus.”
Er: “Warum?”
Ich: “Vielleicht, weil er einkaufen will.”
Er: “Bei Penny?”
Ich: “Oder bei Budni.”
Er: “Warum?”
Ich: “Weil er Poppies kaufen muss.”
Er: “Und Taschentücher.”

Und so kann es endlos weiter gehen. Manchmal bin ich nach einigen Stunden mit dem Kind regelrecht sprecherschöpft.

Kindliches Sprachspiel 11

Es gibt immer wieder Momente, in denen der große Sohn (sehr zu unserem Leidwesen) frei flottierend durch die Wohnung zieht, um dort eine Schublade heraus zu ziehen, hier etwas vom Tisch zu grabschen, da am Spiegel zu wackeln oder dort auf seinem Weg durch die Räume einen Becher Wasser umzukippen, über das eigene Spielzeug zu stolpern, sich in Vorhänge einzuwickeln, den Mülleimer zu untersuchen…

Heute sitze ich auf dem Wohnzimmerfußboden und frage, hinein in diese gerade sich entgrenzende Energie:
“Warum spielst du nicht mit mir und deinen Lego-Steinen?”
“Weil ich schon Feierabend habe.”

Besser lässt sich ein väterlicher Versuch, das Kind einzufangen, kaum auskontern. Mehr Entwaffnung geht nicht.

Kindliches Sprachspiel 10

Nach der Ankunft des kleinen Bruders schwingt sich der große zu neuen Höhenflügen auf:

Neulich krabbelte er auf das elterliche Bett, griff sich ein Buch, das seine Mama gerade abgelegt hatte – und fing an zu blättern. Dabei sagt er: „Ich bin schon groß.“ – „Ich les‘ vor!“ – „Ich schreib‘ Nachrichten.“

Ich staunte – und staune weiter -, welche Sätze das Kind mit zwei Jahren und drei Monaten produziert. Mit soviel Unterhaltung und Unterhaltsamkeit bereits in diesem Alter habe ich keineswegs gerechnet. Andere Beispiele aus früheren Tagen finden sich hier:

Kindliches Sprachspiel 9
Kindliches Sprachspiel 8
Kindliches Sprachspiel 7
Kindliches Sprachspiel 6
Kindliches Sprachspiel 5
Kindliches Sprachspiel 4
Kindliches Sprachspiel 3
Kindliches Sprachspiel 2
Kindliches Sprachspiel 1

Am Schreibtisch

Aus aktuellem Anlass habe ich ein Gedicht aus dem Jahr 2001 renoviert und wieder aufgelegt:

Jetzt sitz ich hier wieder
und quäle mich rum,
ich zähle die Zahlen,
und denk dideldum:
Was mach ich jetzt bloß
mit all diesem Mist,
den Zahlen, Effekten,
Signifikanzen und Gruppen?
Mir fall’n aus den Haaren,
ich sehe es, Schuppen!

Jetzt sitz ich hier rum,
ich quäle mich ab,
der Chef weiter unten,
der hält mich auf Trab.
Ich lese Artíkel,
ich such eine List,
zu seh’n die Erkenntnis,
warum ich hier forsche,
zu bessern die Basis,
die leidiglich morsche.

Jetzt sitz ich hier wieder
und seh mich verzagt,
mich quält dieser Anspruch,
der stets an mir nagt.
Ich wühl in den Zahlen,
das Leben ist trist,
die Wissenschaft sträubt sich,
bleibt ganz ohne Gnade,
hier zählt nicht Erkenntnis,
was hier zählt ist Fassade.

Kindliches Sprachspiel 9

Fragt die Mama das Kind: „Welchen Kuchen soll Mama backen?“
Antwortet der Genießer: „Fleischkuchen.“

Kindliches Sprachspiel 8
Kindliches Sprachspiel 7
Kindliches Sprachspiel 6
Kindliches Sprachspiel 5
Kindliches Sprachspiel 4
Kindliches Sprachspiel 3
Kindliches Sprachspiel 2
Kindliches Sprachspiel 1

Kindliches Sprachspiel 8

Neulich in der Kita:

Unser Sohn geht ins Zimmer einer anderen Gruppe. Dort nimmt er sich ein Knäckebrot vom Teller. Zwei Kita-Frauen sehen ihn mit dem Brot in der Hand und sind nicht amüsiert: Üblich ist es, vorher zu fragen, insbesondere wenn das Essen auf dem Teller einer anderen Gruppe liegt.

„Hast du denn jemanden gefragt, ob du das Brot nehmen darfst?“ fragt die erste Betreuerin.
„Mich hat er nicht gefragt“, sagt die zweite.
„Mich hat er eben auch nicht gefragt“, sagt wiederum die erste.
Das Kind schaut etwas betreten auf das Brot in seiner Hand. Schließlich sagt er, das Brot fest im Blick und erleichtert: „Dich!“

Kindliches Sprachspiel 6

Das Kind guckt mit mir ein Bilderbuch an. Thema: Bauernhof.

Wir unterhalten uns über eine Hofszene mit dem gesamten Hofpanoptikum; Felder, Bäume, Beete, Traktoren, Bauern, Arbeiter, Schafe, Ziegen, Kühe. Und Hühner.

Er zeigt auf ein Huhn: „Macht das Huhn?“
Ich antworte: „Das Huhn pickt sich was zu Essen auf.“
„Picknick!“ kommt blitzschnell aus des Kindes Mund.
„Ganz genau. Picknick macht das Huhn“, sage ich und staune.

Willkommen auf dem Wortspielplatz.

Kindliches Sprachspiel 5

Dieser Dialog ergab sich heute zwischen mir und meinem Sohn, nachdem ich ihn ins Bett gebracht habe:

Ich: „Ich gehe jetzt in die Küche.“
Er: „Machst du da, Papa?“
Ich: „Ich mache was zu essen.“
Er: „Was gibt’s denn heute?“

Wie schon so oft glaubte ich zunächst, mich verhört zu haben, aber der Zweijährige hatte es gesagt: „Was gibt’s denn heute?“

Die anderen Folgen dieser kleinen Serie sind hier zu finden:
Kindliches Sprachspiel
Kindliches Sprachspiel 2
Kindliches Sprachspiel 3
Kindliches Sprachspiel 4