Kindliches Sprachspiel 3

Wie bereits berichtet, kommentiert unser Sohn sich häufig selber. Neulich kam es zu dieser Sequenz:

Er schmuste, hing am Hals, den Wangen und turnte mit vollem Körpereinsatz im Bett und auf uns herum. Einer sagte dann: „Na du bist ja ein Schmusebär.“ Er nahm das auf und wiederholte voller Freude: „Ich bin ein Schmusebär. Ich bin ein Schmusebär.“

Am Morgen danach wollten wir Eltern es wissen: „Bist du ein Schmusebär?“
Und das Kind antwortete, ohne zu zögern: „Nein, ich bin ein Hai!“

Respekt.

Kindliches Sprachspiel 2

Unser Sohn kommentiert häufig das eigene Verhalten.

Eine Auswahl:
„Ich geh‘ rück“, wenn er rückwärts läuft.
Er liegt im Bett, mit den Füßen am Kopfende: „Ich bin andersrum.“
„Ich tanzt“, wenn er sich im Kreis dreht, die Arme in die Höhe gereckt.
Er setzt sich ein Tambourin auf den Kopf und sagt: „Ich bin ein Bauarbeiter.“

Kindliches Sprachspiel

Je mehr Begriffe unser Kind in seinen Wortschatz aufnimmt, desto unerwarteter die Kombinationen im kindlichen Sprachspiel. Neulich verabschiedete ich mich mit dem Satz „Papa geht arbeiten.“ Das Kind antwortete: „Papa arbeiten. Rasenmäher.“

Das Wort benutzt er seit einiger Zeit – und er erkennt eine solche Maschine (Gegenprobe!) in den städtischen Grünanlagen sofort, wenn jemand damit vorbeifährt.

Und warum Rasenmäher? Außerhalb des Haushalts ist das so ziemlich die einzige Arbeit, die er mich bisher hat verrichten sehen: Papa mäht im Garten den Rasen.

Weitere Folgen dieser kleinen Serie:

Kindliches Sprachspiel 2
Kindliches Sprachspiel 3
Kindliches Sprachspiel 4
Kindliches Sprachspiel 5

Mit 100 Worten durchs Leben

Mit seinen 18 Monaten hat sich unser Sohn bereits einen beeindruckenden Wortschatz zusammengesammelt:

Bär Wau-Wau Katze Auto Bus Zug Schlüssel Flugzeug Fahrrad Motorrad Rasenmäher Gießkanne T-Shirt Hose Nase Hase Banane Apfel Tomate Affe tschüss ok arbeiten Mama Papa Oma Opa Flasche Tasche Kita Ente Ende Waschmaschine Blume Schuhe Bett Stuhl Tisch ausziehen Milch Wasser Essen Lampe an aus auf zu weg Mond Muh-Kuh Baum Schirm Füße Buch Piep-Piep Vogel Ampel Hallo Musik Haus Mütze Jacke Ball Bagger Baggy Mond Fisch Schiff Schaufel Eimer Becher heiß Uhr Bett Pferd Maus Eier Käse Brot Kuchen nee nicht nein ja alle mehr Joghurt Erdbeere Melone aua Schnuller Auge Mund Rutsche Danke Müsli Parkdeck
All das noch häufig mit verschliffenen, vernuschelten Silben, aber im Kontext jederzeit verständlich. Morgens macht das Söhnchen sich im Kommandoton verständlich: „Ausziehen!“ (den Schlafsack), und dann: „Milch!“

Sprachliches Aufmarschgebiet

Manchmal erschrecke ich, wenn ich mich zu unserem Sohn reden höre: Vorsicht! Achtung! Aufpassen! Heiß! Füße heben! Augen auf! Psst! Und wieder: Achtung! In neun von zehn Fällen nützt der Befehlston nix. Das Kind rennt trotzdem gegen die Tür, stolpert über Spielsachen oder die eigenen Füße und holt sich Beulen.

Dennoch kann ich meine Versuche, Gefahren und Schaden vom Kind (oder anderen…) abzuwenden, nicht unterdrücken. Impulsartig schiessen die Imperative aus mir heraus – und ich warte darauf, dass das Kind mich damit aufzieht. Schon heute schmeißt er etwas auf den Boden, legt den Finger auf die Lippen und sagt „Psst!“…

Mapa und Pama

Eines der erklärten Ziele unseres elterlichen Wirkens ist es von Beginn an, keine zu starren Rollenbilder im Kind zu erzeugen. Ob wir das Essen zubereiten, die Wäsche waschen, die Windeln wechseln, das Auto fahren, Einkaufen, das Kind zu Bett bringen, Trösten oder mit ihm Spielen: Wir halten uns beide für gleichermaßen zuständig.

Wie gut es uns gelungen ist, diese Rollenunschärfe zu leben, bestätigt das aktuelle kindliche Sprachspiel: Zwar weiß Söhnchen durchaus zwischen Mama und Papa zu unterscheiden, aber wahlweise zeigt er auch mit dem Finger auf uns und gebraucht seine Wortschöpfungen „Mapa“ oder „Pama“.

Ich Mama, Du Pinguin

Ich trage aus alter Gewohnheit ein inzwischen ziemlich verwaschenes T-Shirt mit Tux, dem Linux-Pinguin, auf der Brust. Heute morgen gefiel es unserem Sohn, auf den Pinguin zu zeigen und zu sagen: „Papa.“

Im Zuge von Identitätsfindung und Selbstentwicklung kommt es im Augenblick noch zu einer anderen Ver(w)irrung. Fragt ihn jemand: „Wo ist Mama?“ zeigt er auf sich selber und sagt: „Mama“. Klarer Fall von Modelllernen. Die Mama richtet ja den Finger auf sich, wenn sie anzeigen will, wer Mama ist, wenn sie sagt: „Ich bin die Mama.“ Und so versteht es das Kind. Mama ist diejenige, die auf sich selber zeigt und „Mama“ sagt.

Die Perfektion

Die Perfektion liebt mich,
früh sah ich es kommen,
macht mich mal kaputt,
mal gänzlich benommen.

Sie lähmt, sie behindert,
frisst sich in mein Herz,
ich leide unsäglich
und hasse den Schmerz.

Sie richtet mein Leben,
gräbt sich in mein Denken,
es gibt keinen Ausweg,
verflucht sei ihr Lenken.

Die Perfektion stachelt,
das merke ich ständig,
sie bringt mich in Wallung
und hält mich lebendig.

Sie schmeichelt, sie wärmt,
sie sonnt das Gemüt,
dann ist sie mir nah,
ist wohl doch mein Geblüt.

Sie drängt mich zu handeln,
sie bringt mich nach vorn,
ich kann wohl nicht anders,
nun gelobt sei ihr Dorn.

Die Perfektion, selig,
ich kann es kaum fassen,
bezwingt mich alltäglich,
ich will nicht von ihr lassen.

Copyleft: Thomas Zimmermann. All rights reversed.

„Der Mond ist aufgegangen“, frisch betextet

Weil die meisten gängigen Schlaflieder fürs Kind entweder deprimierend sind oder völlig anachronistisch, habe ich mir für „Der Mond ist aufgegangen“ einen eigenen Text geschrieben, den das Kind gesungen bekommt.

(nach Matthias Claudius, 1778)

Der Mond ist aufgegangen
und alle Sternlein prangen,
Am Himmel hell und klar.
Der Tag geht schlafen leise,
du machst jetzt eine Reise.
Mit Träumen wild und wunderbar.

Die Sonne ist verschwunden,
Sie dreht woanders Runden.
Doch bald kommt sie zurück.
Bis dahin sollst du schlafen,
begleitet von den Schafen,
die dir erzähln vom Lebensglück.

Die Schäfchen solln dich schützen,
die Ruhe soll dir nützen,
zu schöpfen neue Kraft.
Dann morgen in der Frühe,
erwachst du ohne Mühe,
erholt, belebt und voll im Saft…

Copyleft: Thomas Zimmermann. All rights reversed.

Mein kleiner Gesell…

Mein kleiner Gesell,
du hast es nicht leicht,
die Unbill ist hart,
die hienieden dich eicht.

Meist läuft die Nase,
mal schmerzt das Ohr,
dann tränt mal das Auge,
garnichts schützt dich davor.

Es schwirren die Keime,
so durch dich hindurch,
mal bist du erhitzt,
mal so kalt wie ein Lurch.

Bald geht es dir besser,
das seh ich genau,
du killst die Keime,
– leider sind die sehr schlau…

Sie tarnen sich frisch,
sind nicht zu belehren,
dein Körper muss üben,
sich ihrer zu wehren.

So zeigt dir die Unbill,
ihren garstigen Schlund.
Lehn’ Köpfchen an mich,
– und dann schlaf dich gesund!

Copyleft: Thomas Zimmermann. All rights reversed.