Marc Buhl: Das Billardzimmer

Ein jüdisches Paar versucht im Jahr 1941 über die deutsch-schweizerische Grenze der Vernichtung zu entfliehen. Nach tagelanger, ergebnisloser Irrfahrt in der Grenzregion wird Ihnen als letztes Hilfsangebot ein Name zugeflüstert: Gero von Nohlen. 60 Jahre später sitzt der gleichnamige Enkel in der Redaktion der ortsansässigen Tageszeitung und leidet erbärmlich unter der Last der eigenen Familiengeschichte. Immerhin weiß er, dass er der Vergangenheit nicht entkommen kann. So entschließt er sich, einen Rechercheauftrag hinein in die Abgründe der Familie anzunehmen.

Dieser Gero von Nohlen ist getrieben von den Dämonen der Vergangenheit, die ihn hin und her schieben zwischen Be- und Entlastung, je nachdem, welche neue Erkenntnis gerade ans Tageslicht kommt. Für ihn schreibt sich die Schuld fort und überträgt sich in die Jetzt-Zeit, auch wenn er sich nicht durch eigene Handlungen schuldig gemacht hat. Immerhin profitiert er bis heute – auch wenn er das finanzielle Erbe bereits weitgehend durchgebracht hat.

Der Roman ist großartig komponiert, in seiner Handlung am Ende leider etwas überdehnt. Insgesamt jedoch flüssig geschrieben und spannend erzählt, fein austariert über die verschiedenen Ebenen. Zugleich mitreißend und bewegend. Bei aller Beklemmung, die der Stoff erzeugt: Ein großes Lesevergnügen.

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