Selbstbestimmung im Fernsehen?

Mika Brzezinski, Moderatorin im Frühstücksfernsehen des Senders MSNBC, wurde letztes Wochenende selbst Teil der Nachrichtenkreislaufs. In einem scheinbaren Anfall von Aufmüpfigkeit weigerte sie sich, den Nachrichtenblock mit einer Meldung über Paris Hilton zu eröffnen. Eingerahmt von zwei Komoderatoren, versuchte sie, das Manuskript zu verbrennen. Als ihr das nicht gelang, übergab sie den Text einem Schredder.

Ein guter Hack? Oder pure Hilflosigkeit? Höchster Ausdruck innerer Verzweiflung? Zwar verlautbarte Brzezinski, sie wolle zukünftig nur noch über Kinder, Brustkrebs und Multiple Sklerose reden, also Dinge, die ihr bedeutsam scheinen. Doch es ist nicht bekannt, dass die Moderatorin anschließend ihren (sicherlich außerordentlich gut dotierten) Job hingeschmissen hätte – weil der Fall Hilton nur die Zuspitzung einer krassen Verwahrlosung amerikanischer Nachrichtensendungen darstelle.

Ein Akt der Selbstbefreiung jedenfalls sähe anders aus. Bis jetzt ist die Geschichte ein Mosaiksteinchen im Selbstdiskurs des Mediums, das ohne Folgen bleibt und eben auch nur der Unterhaltung dient. Zumal das Videomaterial so aussieht, als sei alles vorab mit dem Chef vom Dienst abgesprochen und inszeniert. Die Kameraführung bei der Aktion wirkt ganz und gar nicht überrascht.

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