Instrumentalisierung des Terrors

Die Süddeutsche Zeitung druckt heute ein sehr instruktives Essay von Tøger Seidenfaden, Chefredakteur der dänischen Tageszeitung „Politiken„: Er thematisiert das Verhältnis des Westens zur islamischen Welt und warnt uns vor überzogenener Dämonisierung:

„[…]Die Terroristen selbst legen nicht einmal Wert darauf, zu überleben und weiterzukämpfen. Die einzige Stärke dieses Terrorismus besteht also darin, eine unserer höchsten zivilisatorischen Errungenschaften in Frage stellen zu können – den außerordentlichen Wert, den wir dem Leben des einzelnen Bürgers zumessen.

Es ist irritierend, ja schon fast peinlich, dass die westlichen Staaten, die zuerst den Rest der Welt durch den Kolonialismus gestalten, dann den Nationalsozialismus, den Faschismus und schließlich den sowjetischen Kommunismus überwanden, sich nun – von Auge zu Auge – durch einen islamistischen Terror existentiell bedroht sehen wollen.[…]“

Die westlichen Regierungen haben demnach ein außerordentliches Interesse daran, den Feind groß aufzubauen. Die Kriege in Afghanistan und im Irak nähren ihn sowieso. An der Heimatfront können in der Zwischenzeit munter die Bürgerrechte beschnitten werden.

Selbstbestimmung im Fernsehen?

Mika Brzezinski, Moderatorin im Frühstücksfernsehen des Senders MSNBC, wurde letztes Wochenende selbst Teil der Nachrichtenkreislaufs. In einem scheinbaren Anfall von Aufmüpfigkeit weigerte sie sich, den Nachrichtenblock mit einer Meldung über Paris Hilton zu eröffnen. Eingerahmt von zwei Komoderatoren, versuchte sie, das Manuskript zu verbrennen. Als ihr das nicht gelang, übergab sie den Text einem Schredder.

Ein guter Hack? Oder pure Hilflosigkeit? Höchster Ausdruck innerer Verzweiflung? Zwar verlautbarte Brzezinski, sie wolle zukünftig nur noch über Kinder, Brustkrebs und Multiple Sklerose reden, also Dinge, die ihr bedeutsam scheinen. Doch es ist nicht bekannt, dass die Moderatorin anschließend ihren (sicherlich außerordentlich gut dotierten) Job hingeschmissen hätte – weil der Fall Hilton nur die Zuspitzung einer krassen Verwahrlosung amerikanischer Nachrichtensendungen darstelle.

Ein Akt der Selbstbefreiung jedenfalls sähe anders aus. Bis jetzt ist die Geschichte ein Mosaiksteinchen im Selbstdiskurs des Mediums, das ohne Folgen bleibt und eben auch nur der Unterhaltung dient. Zumal das Videomaterial so aussieht, als sei alles vorab mit dem Chef vom Dienst abgesprochen und inszeniert. Die Kameraführung bei der Aktion wirkt ganz und gar nicht überrascht.

Dreamspace 2007

In der Cuxhavener Kugelbakehalle findet seit Freitag die Schwarzlichtausstellung „Dreamspace 2007“ statt. Großformatige Bilder, Skulpturen, Fadenobjekte, Airbrush-Kunstwerke, Lichtinstallationen und andere Exponate, die in UV-Licht ungewohnte visuelle Eindrücke erzeugen, sind bis 08.07.2007 in der Halle zu sehen. Ergänzt werden die Installationen durch Workshops, Schwarzlichttheater und verschiedene Kinderprogramme.

Wer gerade in der Nähe von Cuxhaven ist und seine Wahrnehmung für einen Moment verändern, verschieben, erweitern möchte, ohne dafür Drogen einzuwerfen, sollte sich das Ereignis nicht entgehen lassen.

Und warum werbe ich in meinem Weblog dafür? Weil ich zu den Sponsoren, zu den Unterstützern, zu den Partnern der Veranstaltung gehöre…